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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2017
Weisheit aus der Wüste
Das spirituelle Erbe der frühen Christen
Der Inhalt:

Geht da noch mehr?

von Michael Schrom vom 10.03.2017
Warum es keine Einheitskirche geben wird. Ein Gespräch mit dem katholischen Ökumeniker Heinz-Günther Stobbe

Publik-Forum: Herr Professor Stobbe, eine Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland war gerade in Rom, an der Basis gibt es vielfache ökumenische Kontakte. Ist in Sachen Ökumene alles in Butter?

Heinz-Günther Stobbe: Atmosphärisch ja. Wenn man aber ökumenisch etwas anspruchsvoller ist, muss man feststellen, dass es keine gemeinsame Zielvorstellung gibt, worauf die ökumenische Bewegung zulaufen soll. Es gab ja in den 1980er-Jahren einen detaillierten Vorschlag von Karl Rahner und Heinrich Fries (prominente katholische Theologen, Anm. d. Red.), wie die Kircheneinheit zumindest für Deutschland konkret aussehen könnte. Darüber redet heute keiner mehr, weder auf katholischer noch auf evangelischer Seite. Dass man wertschätzend miteinander umgeht, sollte man als selbstverständlich voraussetzen.

Haben Sie einen Masterplan?

Stobbe: Schön wär’s. Alle bisherigen Einheitsmodelle funktionieren ja auch nicht – egal, ob sie das Modell der versöhnten Verschiedenheit nehmen oder konziliare beziehungsweise synodale Einheitsmodelle zugrunde legen. Das gescheiterte orthodoxe Konzil hat das ja gerade belegt. Selbst im Ökumenischen Rat der Kirchen, in dem 348 Kirchen vertreten sind, würden vermutlich 300 sofort austreten, wenn sich der Rat als eine Kirche verstehen würde und nicht mehr als Zusammenschluss von autonomen Kirchen. Es gibt kein Einheitsmodell, das alle akzeptieren.

Das heißt: Selbst wenn alle Forderungen von Hans Küng erfüllt würden, würde sich nichts an der konfessionellen Verfasstheit der Kirchen ändern?

Stobbe: Atmosphärisch würde sich schon etwas ändern. Konfessionsverschiedene Ehepartner könnten ohne schlechtes Gewissen zur Kommunion gehen und die, die das ohnehin schon praktizieren, würden endlich von ihrer Kirche offiziell darin bestärkt werden. Aber sobald man sich eine vereinte Kirche real vorstellt, wird es kompliziert. Nur ein Beispiel: In der Verwaltung des Bistums Münster arbeiten etwa mehrere Hundert Leute, vermutlich genauso viele arbeiten für die Evangelische Kirche im Rheinland. Bei einer Fusion müsste man Stellen streichen, vermutlich auch Kirchen schließen; dazu kommen schwierige Rechtsfragen, Mentalität

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