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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Sie ist die Zukunft der Kirche«

Solange es Arme gibt, wird es die Theologie der Befreiung geben

Der Beitrag »Was heißt das eigentlich: Kirche der Armen?« in Publik-Forum 23/2015 hat eine lebhafte und kontroverse Debatte über Erbe und Auftrag der Befreiungstheologie ausgelöst. War sie »nur« ein Generationenprojekt oder ist sie bleibend aktuell? Haben sich die geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, die zu diesem Neuansatz führten, geändert? Darüber diskutieren die Theologen Michael Schüßler und Stefan Silber. Heute lehren beide Theologie, früher haben sie praktische Erfahrungen mit der Befreiungstheologie gesammelt: Stefan Silber in Bolivien, Michael Schüßler in Brasilien.

Solange es Arme gibt, wird es die Theologie der Befreiung geben.« Wer auch immer in Lateinamerika dieses geflügelte Wort zuerst prägte – die letzten vierzig Jahre haben gezeigt, dass es zutrifft: Wo immer neue Armut entstand oder Armut auf neue Weise beschrieben wurde, entstand auch neu die Theologie der Befreiung. – Nach dem Hype um die Befreiungstheologie in den 1980er-Jahren ist es allerdings in Deutschland still um sie geworden. Zu Unrecht! Denn in Lateinamerika blieb sie nicht nur immer lebendig und aktuell, sondern entwickelte sich permanent weiter, wurde differenzierter, kreativer, ökumenischer, laikaler und säkularer.

Natürlich gab es Krisen, und der Zusammenbruch der bipolaren Welt-»Ordnung« um 1990 war auch in der Befreiungstheologie nachhaltig zu spüren. Weitere Krisen betrafen die Auseinandersetzungen um die Rolle von Gender, Hautfarbe und Kultur bei der Beschreibung von Armut und in der Praxis der Befreiung. Innerkirchliche Kritik und Diskriminierung setzten der Befreiungstheologie stark zu. Auf der methodologischen Ebene