Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Abschiednehmen war verboten«

Magisches Denken und traditionelle Riten behinderten die Bekämpfung von Ebola in Sierra Leone. Ebun James DeKam, die Leiterin des Nationalen Kirchenrates, blickt zurück auf den Kampf gegen die tödliche Epidemie

Sie schrickt noch immer zusammen, wenn das E-Wort fällt: E wie Ebola. Ebun James DeKam sammelt sich. Wenn sie wieder anfängt zu sprechen, ist ihre Stimme gefasst, leiser und langsamer als zuvor. »Ja, Ebola«, im November 2015 in Sierra Leone offiziell als besiegt erklärt, »hat unsere Gesellschaft schwer erschüttert. Die Menschen starben so unheimlich schnell. Und es war ein wichtiger Teil der Lösung, dass die Menschen auseinanderrückten, ganz wider unsere Tradition des Zusammenrückens und der Berührung.«

Die Generalsekretärin des Kirchenrats in Sierra Leone, der rund vier Dutzend evangelischer, charismatischer und Pfingstkirchen umfasst, rekapituliert den Umgang mit der Krankheit: »Angesichts des schnellen und scheinbar unerklärlichen Todes so vieler Menschen herrschte in den ersten Wochen eine Stimmung vor, dies alles sei eine Strafe Gottes für unsere Sünden. Deshalb müsse man landesweit um Vergebung beten.« Jede erdenkliche Art böser Geister wurde zum Auslöser erklärt. Ein Hexenflugzeug sei im abgelegenen Norden – dort, von wo vor wenigen Jahren auch die Guerilla herkam – gelandet. Die Hexen hätten sich übers Land verteilt und das Unheil gepflanzt, meinten manche.

»Einige religiöse Führer flehten Gott um ein Wunder an. Manche Christen berichteten, Gott habe zu ihnen gesprochen und gesagt, dass man durch Buße und Fasten der rätselhaften und tödlichen Krankheit Herr werden könne. Zehn Tage, besser noch zwanzig Tage fasten. Einige riefen dazu auf, die Kranken in die Kirchen zu bringen, um sie mit Handauflegen, Segen und speziellen Gottesdiensten zu heilen. Die Pfarrer der Pfingstler, die das taten, starben natürlich umgehend.«

Der Staat verkündete, es sei lebensnotwendig, keinen