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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Die Mittelschicht schrumpft«

von Gerhard Endres vom 11.03.2016
Die Verteilung von Vermögen und Einkommen kennt kaum jemand besser als Markus Grabka. Er erhebt die einschlägigen statistischen Daten

Publik-Forum: Herr Grabka, wie groß ist die soziale Ungleichheit in Deutschland?

Markus M. Grabka: Im internationalen Vergleich haben wir in Deutschland eine relativ hohe Ungleichheit bei den Vermögen. Das reichste Zehntel der Bevölkerung hält allein einen Anteil am gesamten Vermögen von mehr als sechzig Prozent.

Ist die Kluft zwischen Reichen und Armen größer geworden?

Grabka: Ja, sie ist seit der Jahrtausendwende vor allem bei den Einkommen größer geworden. Während das ärmste Zehntel der Bevölkerung real Einkommen verloren hat, sind die Einkommen des reichsten Zehntels real um mehr als 15 Prozent gewachsen.

Schrumpft die sogenannte Mittelschicht?

Grabka: Unsere Zahlen zeigen, dass die Einkommensmittelschicht von Ende der 1990er-Jahre bis zur Mitte der 2000er-Jahre um 4,5 Millionen Personen auf gut 47 Millionen geschrumpft ist.

Wie definieren Sie Mittelschicht?

Grabka: Zur Mittelschicht gehören alle Personen, deren verfügbare Einkommen zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren Einkommens ausmachen. Das Privatvermögen ist nominal nahezu gleich geblieben. Das Vermögen nach Abzug der Inflation ist aber geringer geworden. Entscheidend war dafür, dass die Immobilienpreise flächendeckend rückläufig waren. Erst in den letzten Jahren sind die Immobilienpreise gestiegen, vielfach in den städtischen Bereichen. In den Regionen, in denen die Bevölkerung abnimmt, wie zum Beispiel in bestimmten Regionen Ostdeutschlands, haben sich die Immobilienpreise hingegen weiter schwach entwickelt.

Wie haben sich die Vermögen von Arbeitslosen entwickelt?

Grabka: Gerade bei Arbeitslosen ist das Vermögen signifikant gesunken. Mit Einführung des Arbeitslosengelds II hat sich die Rechtslage für die Arbeitslosengeldempfänger bekanntlich verändert: Sie müssen nun ihr Nettovermögen zuerst weitgehend aufbrauchen, bevor sie staatliche Leistungen in Form von Grundsicherung in Anspruch nehmen dürfen.

Spüren eigentlich auch die Menschen mit großem Vermögen diese Niedrigzinspolitik?

Grabka: Ich würde eher sagen, das niedrige Zinsniveau ist nicht das Problem der Reichen,

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