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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Untätig war ich nie«

Für die Ukrainerin Florita (50) ist der Schwarzmarkt im nahen Rumänien die einzige Chance, zu überleben

Bis heute lebe ich in der kleinen Stadt, in der ich auch vor fünfzig Jahren geboren wurde: in Storoschynez in der Ukraine, rund zwanzig Kilometer nördlich der Grenze zu Rumänien. Zu Hause spricht man bei uns immer noch Rumänisch, wie unsere Großeltern halt, denn das Land, die Bukowina, gehörte einst zu Rumänien. Nach der Schule, in den 1980er-Jahren, machte ich in der Hauptstadt Czernowitz eine Ausbildung zur Friseurin. Zurück in Storoschynez, fand ich meinen Mann – und eine Stelle in einem staatlichen Friseurladen, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion privatisiert wurde. Heute bezahlt der Laden die Löhne der Mitarbeiter nur unregelmäßig. Früher gab es viele Fabriken in Storoschynez, für Milchprodukte, für Konserven. Heute gibt es nichts mehr. Und auch für mich ist es sehr schwer geworden. Die Leute lassen sich in der Familie die Haare schneiden, weil sie kein Geld haben. Mein Sohn und meine Schwiegertochter konnten noch keine Arbeit finden, ich muss sie und ihre zwei Kinder unterhalten. Ebenso wie meinen alten Vater, der vor Kurzem pflegebedürftig geworden ist. Die bittere Armut tut weh. Nachts kann ich nicht schlafen. Ich liege dann in der Dunkelheit und Kälte und grüble. Morgens geht es irgendwie weiter. Untätig war ich nie. Zugute kommt mir, dass ich im Friseurladen kommen und gehen kann, wann ich will, weil Kunden und Lohnzahlungen ausbleiben.

Mittwochs fahre ich in die Hauptstadt. Ich kaufe dort Produkte, die ich am Wochenende in dem kleinen rumänischen Grenzort Vicov auf dem Schwarzmarkt anbiete.

Freitags um vier Uhr früh steige ich dann zusammen mit fünf anderen Frauen in den Kleinbus, den ein Nachbar in Deutschland gebraucht erstanden hat. Früher, als der Grenzübergang in Vicov noch