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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»Die Kirche hat Fehler gemacht«

Zwei Kardinäle sehen keine persönliche Mitschuld am Missbrauchsskandal

Sechs Jahre ist es her, dass in Deutschland der Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche öffentlich wurde. Damals deckte der Jesuit und Schuldirektor Klaus Mertes am Berliner Canisius-Kolleg auf, dass verzweifelte Schüler und Exschüler sich an ihn gewandt hatten, die von Lehrern missbraucht worden waren. Mertes wiegelte die Sache nicht ab, sondern machte sie öffentlich. Damit setzte er, zusammen mit mutigen Betroffenen, eine Aufarbeitung des Skandals in der gesamten katholischen Kirche in Deutschland in Gang, die bis heute nicht abgeschlossen, aber in vielen Bistümern auf dem Weg ist.

Wenig Einsicht in eigenes Fehlverhalten gibt es indessen bei einzelnen Kardinälen der Weltkirche. Klaus Mertes forderte deshalb jüngst in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger den Rücktritt von Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Der Präfekt der Glaubenskongregation habe als Bischof von Regensburg mindestens einen pädophilen Priester einfach nur versetzt, statt ihn vom Dienst zu suspendieren. Anschließend habe deshalb der Missbrauch weitergehen können: »Merkt er nicht, dass er heute als Verantwortlicher für die Strafverfolgung der Täter ein massives Glaubwürdigkeitsproblem hat?«

Ähnlich unangefochten von der Vergangenheit zeigt sich auch der aus Australien stammende Kurienkardinal George Pell. Er wird in diesen Tagen von einer australischen Untersuchungskommission befragt – und sieht bei sich selbst keine Schuld. »Die Kirche hat enorme Fehler gemacht«, sagte Pell. Sie habe Dinge »verbockt« und »Leute im Stich gelassen«. Er selbst aber – einst Weihbischof in der Diözese Ballarat, später Kardinal in Melbourne und Sydney – habe von Missbrauchsfäl