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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

Religion,eine Friedensmacht?

Religion kann Frieden. Sie kann aber auch Gewalt. Ob das eine oder das andere geschieht, hängt davon ab, ob Menschen das Anderssein der Anderen akzeptieren

Lange, viel zu lange, schien es einfach selbstverständlich: Religionen sind Friedenshelden. Sie sind auf Ausgleich und Sanftmut getrimmt, niemals geht Aggression von ihnen aus. Dieses Bild ihrer Religion lieben viele religiöse Menschen bis heute.

Doch Religion wird viel und häufig benutzt, um einen Interessenkonflikt in einen Wertekonflikt zu verwandeln. Menschen – wohl verführt und geschickt angestachelt – gehen mit ihrem Glauben auf die Barrikaden. Sie hassen und morden, sie verachten und grenzen aus. Mit einem heiligen Buch im Gepäck lässt sich vermeintlich fast jede Grausamkeit begründen. »Gott will es!« Mit diesem Ruf sind über Jahrhunderte Kriege geführt worden. Und der Missbrauch Gottes hört auch im 21. Jahrhundert nicht auf.

Und doch: Religionen können auch Friedenshelden sein. Dafür müssen religiöse Menschen allerdings nicht nur den Hass ablegen, sondern auch Ignoranz und Gleichgültigkeit. Menschlichkeit beginnt da, wo die eigene (religiöse) Identität nicht davon abhängig ist, die des Anderen zu missachten oder – noch schlimmer – sie klein zu machen. Wo das Besser-schlechter-Denken aufhört, kann Frieden beginnen. Wo mein Gott nicht der stärkere und wahrere sein muss als deiner, kann Dialog »werden«. Vorher nicht.

Es liegt noch eine Herkulesaufgabe vor den Theologinnen und Theologen dieser Welt, die den unseligen Wahrheitsbegriff in den Religionen endlich gemeinsam neu definieren müssen. Viel zu lange haben sich vor allem Männer aller Jahrhunderte damit beschäftigt, Glaubensbekenntnisse im Ausschlussverfahren zu formulieren und Häretiker zu verdammen. Abgrenzung, Ausgrenzung, Angstregiment: Es ist mehr als schade, dass gerade Theologen dieses