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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Ein Farbtopf für Bethlehem

von Rebekka Sommer vom 08.03.2013
Jugendliche aus drei Nationen bemalen die israelische Mauer

Gisela Paul blickt von ihrem Wohnzimmer auf die verschneite Winterlandschaft des Münsterlandes. Die 71-Jährige hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht, doch innerlich ist sie aufgewühlt. Sie denkt an Palästina. Dorthin wird sie im April wieder fahren, genauer gesagt nach Bethlehem. Mit einer Gruppe Jugendlicher wird die Kunstpädagogin große, zerbrochene Herzen an die Sperrmauer malen, die das Dorf Bethlehem von der Stadt Jerusalem trennt.

»Friede, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung – für viele moderne Christen ist das die Dreieinigkeit«, sagt sie. In ihrer Kunst geht es um Völkerverständigung. »Ich sehe, wie meine acht Enkelkinder sich hier entwickeln können«, sagt die Weißhaarige. »Die Kinder in palästinensischen Autonomiegebieten wachsen perspektivlos auf.« Die Arbeitslosigkeit sei dort hoch, gute Schulen teuer, Lehrmaterial fehle. »Die jungen Leute riechen das Meer, aber durch die Mauer ist es ihnen versperrt.« Gisela Paul will dazu beitragen, dass sich die trostlose Situation ändert. Und zwar mit viel bunter Farbe, so wie es nun mal ihre Art ist.

Angefangen hatte alles in einer kleinen Stadt in Rumänien, wo sie und ihr Mann Hartwig Paul damals unterrichteten. »Die Einrichtung und das Gebäude waren trostlos, also begannen wir, Wände und Türen zu bemalen«, erinnert sich Gisela Paul. Wichtiger als das Malen waren lange Diskussionen mit den Jugendlichen: Wie können wir Kunst an existenzielle Themen knüpfen? In neun Ländern hat das viel reisende Ehepaar aus Dorsten im Münsterland mittlerweile ähnliche Kunstprojekte durchgeführt. Unter anderem in Sambia, wohin das Deutsche Übersee-Institut sie als Entwicklungshelfer entsandte.

Von dem palästinensischen Christen Daoud Nassar erfuhren sie vor rund zwanzig Jahren. Er leitet auf dem Weinberg seiner Familie bei Bethlehem das Friedensprojekt Zelt der Völker. Die Pauls fuhren hin – und zückten auch hier den Pinsel. In diesem Camp hat Gisela Paul erlebt, wie über Freizeitangebote christlich-arabische mit muslimischen Jugendlichen in Kontakt kamen, wie junge Europäer Zeit dort verbrachten und berührt waren: »Das Malen mit den palästinensischen Jugendlichen hat mich verändert«, schrieb ihr eine 14-Jährige.

Wenn drei Nationen mitmalen, gibt es Zuschüsse von der EU. Der Verein Regenbogenwerkstatt ha

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