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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

»Wir sollten die Menschen beflügeln«

von Raoul Festante vom 04.05.2012

Herr Werner, Sie sind einer der prominentesten Vertreter der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens. Warum kommt Ihre Idee in der Politik nicht an?

Götz Werner: Dass das Grundeinkommen funktioniert, können sich noch zu wenig Menschen vorstellen. Daher überrascht es mich nicht, dass sich die Politik mit einer Umsetzung zurückhält. Aber die Idee verbreitet sich epidemisch. Uns alle, ob Politiker oder Bürger, beschäftigt die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Man findet Initiativen zum bedingungslosen Grundeinkommen in allen Parteien, von links nach rechts, weil auch dort sich Menschen die Frage stellen: Wie soll es weitergehen? Umgekehrt wachen immer mehr Bürger auf und fragen sich: Warum leisten wir uns Armut, obwohl wir so reich sind?

In der Hartz-IV-Debatte streitet die Politik über Erhöhungen um drei oder fünf Euro. Wie realistisch ist da ein Grundeinkommen?

Werner: Die Diskussion um die Hartz-IV-Sätze war unglücklich, aber glücklich für die Fragestellung des Grundeinkommens – nach dem Motto: So geht es nicht weiter! Sie hat gezeigt, dass die Politik mit ihren alten Ideen und Strickmustern am Ende ist. Angesichts der tiefen Krisen wird für viele Menschen umso deutlicher, dass wir einen völlig neuen Denkansatz brauchen.

Was ist der Grund für diese Krise?

Werner: Wir erleben heute im Grunde eine Krise des Bismarckschen Sozialstaates. Und dies deshalb, weil wir nicht mehr die Verhältnisse haben, unter denen der Bismarcksche Sozialstaat konzipiert wurde. Gleichzeitig ist dieser Sozialstaat immer noch das gedanklich leitende Konzept unserer Gesellschaft. Obwohl wir immer mehr freiberuflich und projektbezogen in einer globalen Welt arbeiten und damit zunehmend brüchige Berufsbiografien beobachten, fußt unser Sozialstaat noch wie bei Bismarck auf stabilen, kontinuierlichen Berufsbiografien. Obwohl die Familie nicht mehr die Bedeutung wie früher hat, setzt unser Sozialstaat konsistente Familienverhältnisse voraus. Hinzu kommt die gestiegene Lebenserwartung, die zu Bismarcks Zeiten bei 53 Jahren lag, aber heute bei über 80 Jahren liegt. Die Voraussetzungen des Bismarckschen Sozialstaats greifen heute nicht mehr, und darum ist die Altersversorgung nicht mehr leistbar. Das ist der Grund für die wachsende Altersarmut. Zudem sind immer mehr Menschen in

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