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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Mechatronik statt Kakao

von Constanze Bandowski vom 04.05.2012
Yanina Rivera, 20, Tochter eines einfachen Kakaobauers im Norden von Peru, studiert in der Großstadt Piura

Ich studiere Mechatronik an der Universität von Piura. Das ist vielleicht etwas ungewöhnlich für Peru, aber mir gefällt Mathematik, und ich mag Maschinen. Wir sind auch nur drei Frauen unter sechzig Studierenden, das ist ganz amüsant!

Eigentlich wollte ich Maschinenbau lernen, aber dann kamen Berufsberater in die Schule und erzählten uns von diesem Studiengang. Das klang alles sehr spannend, und tatsächlich ist es ein sehr komplexes Gebiet. Neben Konstruktion und Maschinenbau kommen noch die ganze Elektronik und Informatik hinzu. Das Studium ist sehr abwechslungsreich, das gefällt mir. Außerdem arbeitet ein Onkel von mir in diesem Bereich bei der Marine in Lima. Über ihn kann ich vielleicht später einen Job bekommen, obwohl ich eigentlich lieber hier oben im Norden bleiben würde. Mal sehen, ich habe ja noch drei Jahre bis zum Abschluss.

Meine Eltern unterstützen mich sehr. So ein Studium kostet ja viel Geld, allein für meine Miete, Fahrtkosten und Essen zahlen sie 350 peruanische Soles im Monat (rund 90 Euro, Anmerkung der Redaktion). Sie sind Kakaobauern hier in Palo Blanco. Das ist ein kleines Dorf außerhalb der Provinzhauptstadt Chulucanas. Sie liegt ungefähr eine Stunde von Piura entfernt an der Küste. Zuerst wohnte ich bei einer Tante in Piura, aber die ist gestorben, und nun teile ich mir ein Zimmer mit einer Freundin. Für die Miete zahle ich allein 170 Soles, hinzu kommen Mensa, Internetgebühren, Busfahrten, Papier und so weiter. Ich habe sogar meinen eigenen Laptop, den brauche ich natürlich für mein Studium. Zu Hause haben wir keinen Internetanschluss.

Immerhin haben wir Strom, einen Fernseher und einen DVD-Player. Mein Vater hat eine Musikanlage mit Boxen und Verstärker gekauft, die vermietet er auf Anfrage im Dorf. Dadurch nimmt er auch noch ein bisschen Geld ein, und wir können immer Musik hören.

Ich habe noch zwei kleine Geschwister. Mein Bruder ist zwölf und geht auf eine Privatschule. Darauf ist mein Vater ganz besonders stolz. Die staatlichen Schulen taugen hier nicht so viel. Meine Schwester ist erst drei. Sie ist sehr süß! Wenn ich in den Semesterferien oder am Wochenende nach Hause komme, freue ich mich auf sie. Dann helfe ich natürlich meinen Eltern bei der Feld- und Hausarbeit.

Bald ist wieder Kakaoernte, das ist ja alles Handarbeit. Da brauchen sie viel Hilfe. Die

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