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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Stadt der Hunde

von Silviu Mihai vom 04.05.2012
Ein Überlebenskampf auf der Straße: Täglich werden in Bukarest dreißig Menschen gebissen, und manche Angriffe enden tödlich

Bukarest/Mihailesti. Ein Landweg führt an alten Kolchosen und brachliegenden Feldern vorbei, biegt ab und teilt sich mehrmals, bevor er vor einem weißgestrichenen Gebäude haltmacht. Das Tierheim von Mihailesti, einem Dorf 25 Kilometer südlich von Bukarest, dient seit zwei Jahren als Sammelstelle für »aggressive herrenlose Hunde«, wie Robert Antonio Lorentz erklärt. Er leitet bei der Hauptstadtverwaltung die Abteilung für Tierschutz und Tierüberwachung, jene Behörde, die immer in die Schlagzeilen gerät, wenn etwas zwischen Menschen und Straßenhunden schiefläuft. Und im Moment läuft vieles schief: Täglich werden dreißig Bukarester gebissen, und manche Angriffe enden tödlich.

In den Straßen von Bukarest spielt sich der Überlebenskampf etwas härter ab. Über zwei Millionen Menschen, rund 1,2 Millionen Autos und geschätzte 50 000 Straßenhunde müssen sich die Stadt untereinander teilen. Dass das nicht geräuschlos geht, ist für Bewohner wie Besucher der rumänischen Hauptstadt nicht zu überhören, denn an jeder Ecke wird geschrien, gehupt und nicht zuletzt gebellt. Der 45 Jahre dauernde Staatssozialismus mit seinen aufgestauten Frustrationen, die zwei Jahrzehnte chaotischer Transformation und Turbokapitalismus, der Betondschungel, der Staub, die Wirtschaftskrise, die Niederlagen der Fußballnationalmannschaft – aus welchem Grund auch immer liegen in der Stadt die Nerven blank.

»Das war nicht immer so«, erinnert sich Dina Rusu und schiebt ihr Fahrrad ein Stück weiter zwischen den geparkten Autos. »In meiner Kindheit fühlte man sich hier wohl, im Zentrum gab es viele Häuser mit Gärten, wir hatten unsere Ruhe fast wie auf dem Land«, erzählt die 59-jährige Frau. Doch in den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte Bukarest einen gewaltigen Umbruch. Im Zuge seines größenwahnsinnigen Systematisierungsprogramms ließ der »beliebteste Führer« Rumäniens, Nicolae Ceausescu, ein Viertel der Altstadt abreißen. Einst Hüter des eigenen Heims, konnten die Hunde nicht in die Platte einziehen. Sie blieben vor der Tür.

Dina Rusu läuft weiter unter dem Eingangstor durch und biegt ab in die kleinen Gassen des Serban-Voda-Friedhofs. »Allein hier habe ich mindestens zwanzig Tier-Freunde«, berichtet sie stolz. Auf beiden Seiten liegen die Grabsteine berühmter Figuren der rumänischen Kunst, Geschichte und Literatur. Die Frau hält an einer kleinen Kreuzung, holt einen Topf aus i

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