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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Schreie nach Freiheit

von Klemens Ludwig vom 04.05.2012
Buddhistische Geistliche in Tibet verbrennen sich auf offener Straße. Noch im Sterben fordern sie die Rückkehr des Dalai Lama

Selbstverbrennungen in Tibet: Bis Dezember haben sich elf Mönche und eine Nonne im Osten Tibets öffentlich angezündet und noch im Sterben Freiheit sowie die Rückkehr des Dalai Lama gefordert. Seit sechzig Jahren hält China Tibet völkerrechtswidrig besetzt.

Die Proteste begannen am 16. März 2011 mit der Selbstverbrennung des 19-jährigen Mönchs Phuntsok aus dem Kloster Kirti in der alten tibetischen Provinz Kham. Die chinesischen Behörden riegelten daraufhin das Kloster für Wochen ab, das eines der Zentren des Aufstands von 2008 gewesen war. Sie verschleppten 300 Mönche zu »Umerziehungsmaßnahmen«. Von ihnen fehlt bis heute jede Spur. Damit heizte China die Stimmung an. Den spärlichen Informationen zufolge überlebten fünf der zwölf Geistlichen ihre Verbrennung schwer verletzt. Sie wurden von Chinas Sicherheitskräften an unbekannte Orte verbracht.

Die tragischen Ereignisse beschäftigen nun die internationale Politik. Das Berliner Auswärtige Amt hat Chinas Regierung aufgefordert, »ihre Politik in den tibetischen Gebieten so zu gestalten, dass die bestehenden Spannungen abgebaut werden«. Dazu sei der Schutz der einzigartigen Kultur der Tibeter einschließlich ihrer Religion unabdingbar. Die Selbstverbrennungen betrachtet Berlin als »Ausdruck einer religiösen Verzweiflung und einer anhaltend tiefen Unzufriedenheit in Teilen der tibetischen Bevölkerung mit China«.

Die Stellungnahme ist bemerkenswert, denn alle anderen europäischen Regierungen schweigen zu den Selbstverbrennungen. Nur die US-Regierung äußert sich ähnlich wie die Deutschen. Peking verwahrt sich gegen die »Einmischung in innere Angelegenheiten« und macht den Dalai Lama verantwortlich. Denn er stifte die Menschen zu »Gewalt und getarntem Terrorismus« an. Der Dalai Lama jedoch distanziert sich klar von der Selbstverbrennung als Form des Protests, auch wenn er Chinas Unterdrückungspolitik als Ursache der Verzweiflung vehement kritisiert.

Schon immer betont der Dalai Lama, auch Gewalt gegen sich selbst sei eine Form von Gewalt und deshalb unvereinbar mit dem Buddhismus. Auf dieser Basis lehnt er zum Beispiel auch einen Hungerstreik ab.

Tatsächlich gibt es zu der aktuellen Verzweiflung in Tibet nur eine Parallele: Chinas Kulturrevolution von 1966 bis 1976. Der Versuch der »Roten Garden«, alles Traditionelle und Religiöse auszumerzen, traf eine so tief religiöse Ge

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