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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Im Haus des Glaubens

Das gemeinsame Bekennen heißt immer auch Handeln

Was tun Menschen, die im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis sprechen? Sprechen ist mehr als dem anderen Dinge mitzuteilen, die er noch nicht weiß. Wenn das so wäre, müsste im Gottesdienst kein Glaubensbekenntnis gesprochen werden. Dann wäre es auch unnötig, der Kollegin »Guten Morgen« zu wünschen oder den Gast mit »Herzlich willkommen« zu begrüßen. Der Willkommensgruß an der Wohnungstür dient ja nicht der Information. Indem ich ihn äußere, nehme ich meine Rolle als Gastgeberin ein und weise dem Besucher seine Rolle als Gast zu. Rollensicherheit ist die Voraussetzung für gelingende Begegnung und Gespräch.

Es war John L. Austin, der 1955 in seiner Vorlesung »How to do things with words« die Grundlagen der Sprechakttheorie entwickelte. Und damit eine Sichtweise auf das Sprechen ermöglicht, die fragt: Was tun wir, wenn wir sprechen? Und: Was tun wir, indem wir sprechen?

Das Glaubensbekenntnis hat seinen Sitz im Leben im Gottesdienst oder in der Tauffeier. An einem mehr oder weniger öffentlichen Ort spricht eine Gruppe von Menschen an einem festen Platz innerhalb einer Liturgie einen ritualisierten Text. Keiner würde zu Hause, für sich, das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen.

Auf einer ersten Ebene hat das gemeinsame Sprechen tatsächlich informierenden Charakter: Kerninhalte des Glaubens werden weitergegeben und etwa von den Heranwachsenden dadurch gelernt. Auf einer zweiten Ebene erklärt sich der einzelne Sprecher des Glaubensbekenntnisses vor den anderen zum Mitglied der Glaubensgemeinschaft (»Ich gehöre dazu«). Zur Taufe, zur Aufnahme in die Kirche, gehört das Sprechen des Glaubensbekenntnisses. Das gilt auch andernorts: Muslim wird, wer vor zwei Zeugen die Bezeugung, das