Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2020
Mahlzeit!
Mikroplastik – die allgegenwärtige Gefahr
Der Inhalt:

Von Kolibris, Landraub und Frauenbildern

von Michael Schrom vom 28.02.2020
Das Abschlussdokument zur Amazonas-Synode macht klar: Franziskus ist Umweltschützer, aber kein Reformpapst

Das mit Spannung erwartete Schlussdokument des Papstes zur Amazonas-Synode ist eine poetische Liebeserklärung an die Regenwaldregion. In »Querida Amazonia« (Geliebtes Amazonien) zitiert der Papst Pablo Neruda und Mario Vargas Llosa, lässt Kolibris flattern, Wasserfälle donnern und charakterisiert die indigene Bevölkerung als eine Gemeinschaft voller Weisheit. Die westliche Welt und die Kirche schulden ihnen Respekt. »Wir müssen von ihnen lernen, ihnen (…) zuhören und sie um Erlaubnis bitten, unsere Vorschläge darlegen zu dürfen.« Dass dieses Ideal meilenweit von der Realität entfernt ist, weiß der Papst natürlich auch. Deswegen folgen harte Anklagen gegen Landraub, Korruption, Sklaverei, Mord, Konsumismus und politische Lüge. Dazu gehört die Behauptung, Amazonien sei »einfach ein enorm leerer Raum, der besetzt, ein Reichtum im Rohzustand, der entwickelt, eine weite Wildnis, die gebändigt werden muss«. Genau darin besteht ja die rhetorische Verheißung des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, mit der er das Roden legalisiert. In Brasilien werden sie diese Passage zu lesen wissen.

Menschenrechtlich und politisch lässt der Text an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Er ist eine Fortschreibung der Öko-Enzyklika »Laudato Si«, bezogen auf das Regenwaldgebiet. Franziskus versucht auch hier, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zusammenhänge von Anfang an in die religiöse Reflexion mit einzubeziehen. Ziel ist eine neue Inkulturation des Christentums. Und diese ist – das wird betont – nicht einförmig und ausgrenzend, sondern inklusiv. »Wir sollten nicht vorschnell einige religiöse Ausdrucksformen (…) als Aberglaube oder Heidentum bezeichnen.« Es sei möglich, sich auf »ein indigenes Symbol zu beziehen, ohne dass man es notwendigerweise als Götzendienst betrachten müsse«. Das ist ein Statement gegen jene katholischen Eiferer, die während der Synode in einer spektakulären Aktion eine Pachamama-Statue als vermeintliche Götzenfigur in den Tiber warfen. Dass der Papst darüber verärgert war, kann man dem Schlussdokument entnehmen.

Verärgert war der Papst allerdings auch über die europäische Perspektive, die die Amazonas-Synode vor allem unter der Fragestellung wahrnahm, ob der Papst die Zugangswege zum Priesteramt verändern würde. Eng damit verknüpft war die Machtfrage. Wie ernst meint es Franziskus mit dem Prinzip der Subsidiarität? Wie viel Spielräume ermöglicht er den einzelnen Ortskirchen,

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen