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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2020
Mahlzeit!
Mikroplastik – die allgegenwärtige Gefahr
Der Inhalt:

»Diese Reise hat mich verändert«

von Bettina Kelm vom 28.02.2020
Bettina Kelm wollte im Golf von Panama Buckelwale fotografieren. Doch sie fand vor allem vermüllte Strände – und beschloss, gegen die Plastikflut aktiv zu werden

Tolle Fotos von Walen, Schildkröten und Delfinen erhoffe ich mir, als ich zusammen mit meinem Mann Axel auf den zu Panama gehörenden Perleninseln ankomme. Gemeinsam mit anderen Naturfotografen haben wir eine Walbeobachtungsreise gebucht. Zur Reisegruppe gehört auch der Taucher Thierry Eidenweil aus Frankreich. Die Perleninseln sind ein exotisches Archipel aus mehr als 200 Inseln mit einer enormen Artenvielfalt an Land und im Wasser: Sogar der seltene Blauwal ist dort anzutreffen. Der Fischreichtum lockt Taucher aus der ganzen Welt an. Und im Herbst kehren Grüne Meeresschildkröten an ihre Geburtsstrände zurück und vergraben nachts ihre Eier im Sand.

Spätabends treffen wir im Hotel auf unseren Reiseleiter und den Rest der Gruppe, zu der neben anderen Walbegeisterten auch Antonia Klaus gehört, eine junge Tierärztin aus Bonn. Es ist ein schwüler Tropenabend im Oktober 2010. Meine erste Frage gilt den Buckelwalen: »Sind sie schon bei den Inseln eingetroffen?«

Auf der Terrasse des Hotels klappt Thierry sein Laptop auf und zeigt uns Fotos, die er am Vortag bei einer Walbeobachtungsfahrt aufgenommen hat. Der erste Wal, den ich zu sehen bekomme, ist ein toter Wal. Sein weißer, aufgedunsener Kadaver schwimmt inmitten von Treibgut an der Oberfläche. Thierry zoomt in das Bild hinein, und man erkennt inmitten von Holz und Algen bunte Fragmente: Jede Menge Kunststoffmüll! Bei den meisten Altplastikteilen kann man nicht mehr nachvollziehen, um welchen Gegenstand es sich ursprünglich gehandelt hat, aber ganz eindeutig fallen immer wieder die runden Deckel der PET-Plastikflaschen auf.

Weltweit werden pro Minute eine Million Plastikflaschen hergestellt. Pro Minute! Diese Zahl muss man sich einmal vor Augen führen und weiterrechnen, was da über Jahre zusammenkommt. Weniger als zehn Prozent des weltweit verbrauchten Kunststoffs werden überhaupt recycelt. Da verwundert nicht, dass viele Flaschen den Weg über Deponien und Flüsse ins Meer finden. Insgesamt gelangen pro Jahr mehr als zehn Millionen Tonnen Kunststoffmüll neu in die Ozeane, schätzen Wissenschaftler.

Ein weiteres Foto treibt mir die Tränen in die Augen: Es zeigt eine Schildkröte inmitten von Ölkanistern, Flaschen, Sonnencremetuben und rosa Plastikschuhen – am Strand vor unserem Hotel. Die Tierärztin, die schon ein paar Tage früher angereist war, entdeckte sie früh morgens beim Joggen. Der Hotelservi

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