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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

Kolumne von Katharina Müller-Güldemeister: Liebe Breitgesichtige!

vom 22.02.2019

Liebes Europa, ich kenne Dich nun seit 35 Jahren, und Du hast Dich wirklich gemacht in dieser Zeit. Als ich klein war, warst Du in mehrere Teile zerstritten und viele kannten Deine hemmungslose Vielfalt nur vom Hörensagen. Auch Jahre nach dem Sich-Vertragen blieb die Stimmung angespannt. Ich weiß noch, wie ich 1999 mit der Klasse nach Tschechien fuhr, mit dabei eine Schwedin und eine Französin. Die tschechischen Grenzpolizisten redeten mit ihnen wie mit Schwerverbrechern und verschwanden mit ihren Pässen. Als wir endlich einreisen durften, hatten die beiden eigentlich schon keine Lust mehr. Wie schön, dass sich viele Grenzen mittlerweile nicht mehr wie Grenzen anfühlen!

Es hat sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, auch wenn das gerade wieder auf der Probe steht. Dass Du aus Menschlichkeit so viele Fremde aufgenommen hast, findet nicht jeder gut; und dann noch der komplizierte Beziehungsstatus mit Großbritannien. Ich aber glaube an Dich und hoffe, dass Deine Gemeinschaft weiter wächst. Schon allein, weil vieles so herrlich einfach geworden ist.

Etwa, dass man in 19 Deiner Länder mit dem gleichen Geld bezahlen kann. Kein Kopfrechnen, keine Umtauschgebühren mehr. Nachtrauern tue ich nur dem Gefühl, mit einem Fünfmarkstück in der Hand zur Eisdiele zu gehen. Schön auch, dass man fürs nach Hause Telefonieren keine horrenden Summen mehr abdrücken muss, wie ich nach meinem ersten Hollandurlaub.

Ein bisschen meckern möchte ich aber trotzdem. Letzten Herbst wollte ich zum Beispiel Estland kennenlernen. Und zwar ohne zu fliegen. Nun liebe ich eigentlich langsames Reisen. Was die Bahn mir allerdings für die 1700 Kilometer lange Strecke anbot, war echt zu viel: 64 Stunden, neun Mal umsteigen. An den Gardasee reist es sich bequemer, habe ich neulich herausgefunden: Für die 900 Kilometer brauche ich nur zehn Stunden. Was ich allerdings nicht verstehe: Warum man das »Europa-Spezial«-Ticket zwar im Internet buchen kann, sich aber für 4,90 Euro per Post zuschicken lassen muss.

Nervig finde ich auch die Sache mit den Steckdosenadaptern. In Italien (und nur in Italien!) ist neben Typ C, E und F wie in Deutschland auch Typ L verbreitet. Stecker vom Typ F – wie der an meinem Laptopkabel – passen leider nicht in Steckdosen vom Typ L. Könntest Du da nicht eine Abwrackprämie anregen? In England dominiert hingegen Typ G, aber das anzugehen ist wohl jetzt nicht d

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