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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

»Ich vermisse nichts«

von Viola Rüdele vom 22.02.2019
Beate Siegler wollte anfangs nur auf Plastik verzichten – jetzt verursacht die Rentnerin fast gar keinen Müll mehr

Ursprünglich wollte ich nur Marmelade einkochen. Doch beim Einkaufen stellte ich fest, dass das Geliermittel Pektin neuerdings in Plastik eingepackt ist. Darüber habe ich mich beim Hersteller beschwert. Die Antwort war enttäuschend: Das solle Klümpchen vermeiden. Da ich auf Plastik verzichte, wo immer es geht, habe ich nach einer Alternative gesucht. Schnell fand ich ein Rezept, wie man Pektin aus Äpfeln und Zitronenschale herstellt. Auf die fertige Marmelade war ich dann ziemlich stolz.

Solche Situationen kenne ich gut. Vor drei Jahren habe ich entschieden, in der Fastenzeit auf Plastik zu verzichten. Ich bleibe dabei bis heute. Ein Jahr später habe ich beschlossen, gar keinen Müll mehr zu produzieren. Denn die Umwelt liegt mir am Herzen. Ich wuchs in einer Großfamilie auf. Über die Müllberge, die da anfielen, ärgerte ich mich immer schon, auch wenn das für heutige Verhältnisse gar nicht viel Müll war. Inzwischen macht es mir richtig Spaß, bockig zu sein. Ich vermisse nichts. Außerdem spare ich Geld, da ich nur noch das kaufe, was auf meiner Liste steht. Leider ist der Weg zum Unverpacktladen in Frankfurt weit, ich brauche einen ganzen Vormittag fürs Einkaufen. Oft werde ich gefragt, wie man das schaffen soll, wenn man nicht wie ich in Rente ist. Also kaufe ich haltbare Lebensmittel auf Vorrat.

Die meisten frischen Lebensmittel bekomme ich problemlos ohne Plastik auf dem Wochenmarkt oder in türkischen Geschäften. Dorthin gehe ich mit Schraubgläsern, Boxen und Stoffsäcken, alle im Einkaufstrolley. Um die richtigen Gefäße mitzunehmen, plane ich, was ich brauche. Vieles mache ich inzwischen einfach selbst: Waschmittel, Fleischsalat, Creme, Chips für meine Enkel. Aber beim Backen wird es schwierig. Oft gibt es nur Vollkornmehl lose zu kaufen. Das schmeckt mir aber in süßem Gebäck nicht so gut. Auch Puderzucker und Marzipan habe ich noch nicht unverpackt gefunden. Nur für meine gedruckte Tageszeitung mache ich eine Ausnahme von meinem Prinzip, keinen Müll zu produzieren.

Inzwischen ist auch mein Mann begeistert, dass wir bloß noch zwei winzige Mülleimer brauchen. Und meine Tochter näht Einkaufsbeutel für mich mit Sprüchen wie »Nichts für Tütenkasper«. Außerdem habe ich angefangen, von meinen Erfahrungen in Workshops zu berichten. Mit Gleichgesinnten plane ich, in meinem Stadtteil einen Unverpackt-Laden zu eröffnen. Seitdem sprechen mich Leute sogar auf der Str

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