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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2019
Sie herrschen mit Gott
Wie es zu sexualisierter und spiritueller Gewalt in der Kirche kommt
Der Inhalt:

Aufgefallen: Das Napalm-Mädchen

von Eva-Maria Lerch vom 22.02.2019
Das Bild der Neunjährigen wurde weltweit zum Symbol für den grausamen Vietnamkrieg. Heute setzt sich Kim Phuc für Frieden und Versöhnung ein

Ein kleines Mädchen, dünn, schreiend, nackt. Barfuß rennt es über den Asphalt, die Arme hilflos ausgebreitet, vom Napalm getroffen. Das Bild, das ein Kriegsfotograf 1972 von der neunjährigen Kim Phuc Phan Thi gemacht hat, ging um die Welt. Es wurde zum Symbol für den grausamen Vietnamkrieg und trug entscheidend zum Umdenken und zum Protest gegen diesen Krieg bei.

Die Schmerzen, die Kim Phuc damals durch die Napalm-Bombe zugefügt wurden, haben bis heute nicht aufgehört. 47 Jahre später leidet sie noch immer unter den Verbrennungen, die die brennende, zähflüssige Masse in ihren Rücken und einen Arm gefressen hat. Zwei Jahre hat sie im Krankenhaus gelegen, zahllose Operationen durchlitten. Die Narben, sagt sie, brennen oft immer noch wie Feuer. Aber jetzt steht sie überraschend fröhlich in der Semperoper: 55 Jahre alt, eine leise, gepflegte Frau mit schwarzen Haaren und einem Lächeln, das wie aus einer anderen Welt zu kommen scheint.

Am 11. Februar 2019 wurde Kim Phuc Phan Thi in Dresden mit dem Internationalen Friedenspreis ausgezeichnet. »Wenn ich allein bin, meide ich das Bild«, sagte sie, die als »Napalm-Girl« ins kollektive Gedächtnis eingegangen ist. »Aber ich kann damit für den Frieden arbeiten.« Zehn Jahre sei sie voller Hass, Verbitterung und negativer Gedanken gewesen, bis sie in der Bibliothek in Saigon auf das Christentum aufmerksam wurde. Die Botschaft der Bibel habe ihr geholfen, »anders mit Verletzungen, Schmerzen und der Quälerei umzugehen«, einen Weg der Hoffnung, Liebe und Vergebung zu finden.

Kim Phuc hat auf Kuba Pharmazie und Sprachen studiert und dort ihren Mann Bui Huy Toàn kennengelernt. »Ich habe nicht geglaubt, dass ein Mann mich liebt und heiratet«, sagt sie. »Ich dachte, ich würde nie ein normales Leben führen.« Gemeinsam gingen die beiden nach Kanada, wo sie politisches Asyl erhielten und sich bis heute zu Hause fühlen. Auch die Geburt ihrer zwei gesunden Söhne hat Kim Phuc als unerwartetes Wunder erlebt.

Die versehrte Frau hat beschlossen, »kein Kriegsopfer mehr zu sein« und »aus einem Kriegsleben ein Friedensleben« zu machen. Vor zwanzig Jahren gründete sie die Kim Phuc Foundation, eine Stiftung für vom Krieg versehrte Kinder, die Schulen, Waisenhäuser und medizinische Einrichtungen auf der ganzen Welt unterstützt. Sie wurde »Botschafterin des guten Willens

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