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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Zwischenruf zur Fastenzeit: Unser täglich Schnitzel

von Gudrun Spahn-Skrotzki vom 23.02.2018

Gerade war ich im Landeskirchenamt. Ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Dort gibt es auch eine Kantine, in der viele Mitarbeiter zu Mittag essen. Interessiert schaue ich auf den Speiseplan und muss feststellen: Auch im Zeitalter des Klimawandels hat sich bei der Kirche nichts geändert. Jeden Mittag gibt es mindestens ein Fleischgericht aus konventioneller Tierhaltung im Angebot. Zufällig treffe ich jemanden, der im Ausschuss sitzt, der über das Angebot der Kantine entscheidet. Ich frage nach, warum denn kein Fleisch aus biologischer Tierhaltung verwendet würde, wenn denn schon jeden Mittag Fleisch im Angebot sein müsse. Ich erfahre, dass es dafür nur einen Grund gibt: »Zu teuer!«

Bevor man einen oder zwei Euro mehr ausgibt, nimmt man lieber in Kauf, dass Schweine ihr Leben in engen Boxen fristen oder dass bis zu neun Hühner auf einen Quadratmeter gepfercht werden. Keine frische Luft, keine Sonne, kein Tageslicht, Intensivmast, um möglichst schnell Schlachtreife zu erzielen … Über Haltungsbedingungen der konventionellen Masttierhaltung kann sich jeder umfassend informieren, sie sollten bekannt sein. Man unterstützt damit auch qualvolle Züchtungen, lange Tiertransporte, das Töten der Tiere im Akkord in den Schlachthöfen usw.

Dieser Umgang mit Tieren entspricht nicht der biblischen Schöpfungstheologie. Viele Bibelstellen legen nahe, dass wir gefordert sind, achtsam mit allen Geschöpfen umzugehen. Sollte hier nicht unsere Freiheit Grenzen haben? Rechtfertigen billigere Preise tatsächlich diesen Umgang mit Tieren? Ich meine: Dieser Umgang mit Tieren ist mit unseren christlichen Werten nicht vereinbar. Hier sollte sich auch die Kirche deutlich positionieren.

Selbst falls es Menschen gibt, denen das Leben von Tieren egal ist, ist zu bemerken, dass unsere Fleischproduktion auch etwas mit dem Hunger in der Welt zu tun hat. Etwa neunzig Prozent der Futtermittel, die in der Tierhaltung bei uns eingesetzt werden, stammen aus Übersee, also aus Ländern wie Brasilien. Dort wird Regenwald gerodet, Menschen die Lebensgrundlage genommen, um Soja anzubauen, was dann bei uns in der Tierhaltung verfüttert wird. Wir importieren Futtermittel aus Ländern, in denen nicht alle Menschen genug zu essen haben, um dieses Getreide bei uns in der Tiermast einzusetzen. Man braucht ein Vielfaches an pflanzlichem Eiweiß zur Erzeugung von tierischem Eiweiß. Die Erde gäbe genügend Nahrung für al

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