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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Und sie empören sich doch!

Die totgeglaubte israelische Zivilgesellschaft lebt. Und meldet sich lautstark zurück

Noch vor neun Monaten bezeichnete die israelische Soziologin Eva Illouz die Zivilgesellschaft in ihrem Land als »klinisch tot«. Nun zeigen engagierte Bürgerinnen und Bürger in Israel, dass ihnen nicht alles gleichgültig ist, was in ihrem Land geschieht. Auslöser ist weder der Umgang mit den Palästinensern noch die Korruptionsvorwürfe gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Auch das Verbot gegen zwanzig NGOs, darunter jüdische, deren Mitarbeiter ab sofort nicht mehr nach Israel einreisen dürfen, trieb die Menschen nicht auf die Straßen. Aber jetzt demonstrieren Tausende Israelis in Jerusalem und Tel Aviv gegen den Plan der Regierung, rund 40 000 afrikanische Migranten abzuschieben. Netanjahu hatte angekündigt, die »Eindringlinge« loswerden zu wollen und »Tel Aviv seinen Bürgern zurückzugeben«. Das Aufbegehren dagegen ist groß – und es bleibt nicht bei Protestmärschen.

Holocaust-Überlebende haben einen offenen Brief verfasst, in dem sie Unverständnis äußern, »wie eine jüdische Regierung Flüchtlinge und Asylbewerber auf einen Weg des Leidens, der Qual und des Todes schicken kann«. Piloten der israelischen Fluglinie El Al wollen sich weigern, Abschiebungsflüge zu fliegen. Rund 300 Ärzte wandten sich in einer Protestnote an die Regierung und fordern, die geplanten Ausweisungen zu stoppen. Besonders aktiv zeigt sich die Bewegung Rabbiner für die Menschenrechte: Mehr als hundert Rabbinerinnen und Rabbiner kündigten an, afrikanische Asylbewerber bei sich zu Hause verstecken und so vor der drohenden Ausweisung schützen zu wollen – so wie einst Anne Frank versteckt worden war. Auch Holocaust-Überlebende hatten zuvor signalisiert, dies tun zu wollen. In einem Land, dessen Reg