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Heute nochvon Sünde reden?
Die religiöse Gelehrtenrepublik ist altersmüde, auch deshalb, weil die Sprache ihres Personals bizarr altmodisch klingt. Sünde ist so eine Vokabel, die außerhalb der Gelehrtenrepublik allenfalls noch halb ironisch in den Mund genommen wird, wenn etwa von Verkehrssünden und Kalorienversuchungen die Rede ist. Ihr Verschleiß hängt ursächlich damit zusammen, dass sie als moralische Keule missbraucht wurde. Aber sie ist vor allem deshalb zu einem streunenden Wort geworden, weil sie mit dem nach der Aufklärung Karriere machenden Großraumbegriff der Autonomie kaum vermittelbar scheint. Zwei unterschiedliche Menschenbilder stoßen aufeinander: hier die Vorstellung, der Mensch sei durch und durch Sünder und auf Gnade angewiesen, dort die Vorstellung, der Mensch sei autonom und gelingendes Leben ein zwar anstrengendes, aber durchaus nicht zum Scheitern verurteiltes Geschäft.
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Klaas Huizing, geboren 1958, ist Schriftsteller, evangelischer Theologe und Mitglied im Pen-Zentrum.
Er lehrt an der Universität Würzburg. Sein neues Buch »Schluss mit Sünde« ist im Herder Verlag erschienen.
