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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Ein Modell für ganz Deutschland?

Was muss geschehen, damit das Cusanus-Konzept Schule macht? Ein Gespräch mit dem Bildungsexperten Martin Thomé

Publik-Forum: Die Cusanus-Hochschule ist ein Modellprojekt. Aber die deutsche Bildungslandschaft verändert sie nicht, oder?

Martin Thomé: Nein – jedenfalls nicht im Ganzen. Das ist aber auch gar nicht das Ziel. Es geht darum, im Konzert der Bildungslandschaft eine Stimme zu schaffen, die etwas anderes ausprobiert und lebt, nämlich das, was ich »fragendes Denken« nenne. Für Nikolaus von Kues, nach dem die Cusanus-Hochschule benannt ist, bedeutete Bildung die freie Gestaltung der Persönlichkeit in sozialer Verantwortung. Das beginnt damit, Fragen zu stellen – und nicht in erster Linie antwortzentriert zu lehren und zu lernen.

Warum ist es so schwer, dieses Konzept an regulären Hochschulen zu etablieren?

Thomé: Das herkömmliche Bildungssystem mit seinen engen Lehrplänen lässt wenig Spielraum für Experimente. Die Frage nach dem Nutzen ist an regulären Hochschulen allgegenwärtig. Es geht um Drittmittelförderung und um Publikationen in Fachzeitschriften, die für Wissenschaftler essenziell sind. Das ist aber mit alternativen Denkansätzen schwer möglich. Hinzu kommt noch etwas anderes: Es gibt ein immer stärker werdendes Eindeutigkeitsbedürfnis unserer Gesellschaft. Das wird durch eine standardisierte Lehre mit klaren Ansagen, verbindlichen Formeln und feststehenden Lehrsätzen eher befriedigt als durch einen offenen, fragenden Lernprozess wie an der Cusanus-Hochschule.

Was müsste geschehen, damit es mehr Hochschulen dieser Art gäbe?

Thomé: Dafür sind vor allem finanzielle Mittel nötig – und Hochschulgesetze, die Experimente einer anderen Lehre möglich mac