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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Buch des Monats: Auferweckt und behindert

von Norbert Copray vom 23.02.2018
Wie sähe sie aus, eine barrierefreie Theologie und Kirche?

Nancy L. Eiesland
Der behinderte Gott
Anstöße zu einer Befreiungstheologie der Behinderung. Übersetzt und eingeleitet von Werner Schüßler. Echter. 176 Seiten. 14,90 €

»Für Menschen mit Behinderung verbindet eine Befreiungstheologie Botschaft und Verpflichtung. Sie anerkennt unseren Kampf gegen Diskriminierung, der innerhalb der Kirche und der Gesellschaft einen Teil der Arbeit in Bezug auf unser Ankommen in unseren Körpern darstellt«, schreibt 1995 Nancy Eiesland, deren Buch »Der behinderte Gott« erst jetzt auf Deutsch erscheint. Übersetzt und für sein längst überfälliges Erscheinen gesorgt hat der Trierer Philosophieprofessor Werner Schüßler, der Vater einer erwachsenen Tochter ist, die das Downsyndrom hat.

Auch wenn Eiesland das Buch mit Blick auf ihr eigenes Schicksal auf die körperliche Behinderung fokussiert, so behandelt sie darin auch Fragen, die bei Menschen mit einer geistigen Behinderung ähnlich sind. Für sie ist ihr »Körper, der sowohl aus Metall und Plastik wie auch aus Knochen und Fleisch zusammengesetzt ist«, ihr Ausgangspunkt, um über »Knochen und Stützkörper« als »Norm von Verkörperung« zu sprechen. Mit einer Knochenkrankheit geboren, die unzählige Operationen schon in der Kindheit erforderlich machte und sie später an den Rollstuhl fesselte, lernte sie zu sehen: Wir Menschen mit Behinderung führen ein »gewöhnliches Leben in unkonventionellen Körpern«.

Durch ihren emanzipatorischen Weg – sie wurde zu einer anerkannten amerikanischen Religionssoziologieprofessorin – erfuhr sie die Notwendigkeit einer »Theologie der Behinderung«. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer »Theologie der Behinderten«, die nur das Defizitäre am Menschen sieht. Gegen sie wehrte sich der 2009 verstorbene evangelische Theologe Ulrich Bach. Er trat für die Befreiung behinderter Menschen in einer europäischen Befreiungstheologie ein.

Eiesland geht an die theologische Substanz. Dabei spielt »der behindert Gott« in ihrer Ostererscheinung eine zentrale Rolle: »Ich sah Gott in einem mundgesteuerten Elektrorollstuhl. Nicht ein allmächtiger, autarker Gott, aber auch nicht ein bedauernswerter, leidender Knecht. In diesem Moment erblickte ich Gott als Überlebenden, mitleidslos und unverblümt. Ich erkannte den inkarnierten Christus im Bild jener, die als ›nicht tragfähig‹, als ›arbeitsunfähig‹, als ›mit fragwürdiger

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