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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:

Die unglaubliche Geschichte einer Odyssee durch Indien

Kino. Kaum ein Autor würde sich trauen, eine so haarsträubende Story wie die von Saroo Brierley zu erfinden: Als Fünfjähriger ging er an einem indischen Provinzbahnhof verloren, wurde schließlich von einem australischen Paar adoptiert und fand als Erwachsener seine leibliche Familie wieder – die Realität liefert die tollsten Drehbücher. Die Verfilmung lässt sich ganz auf die Perspektive des Fünfjährigen ein und widmet die Hälfte der Zeit seinen Jahren in Indien. Anfangs ist Saroo stolz, dass ihn sein großer Bruder zum Münzensammeln mitnimmt. Aus der Augenhöhe des Kindes erlebt man Saroos Verzweiflung, als er sich nach einem Nickerchen mutterseelenallein auf dem Bahnsteig wiederfindet. Auf der Suche nach dem Bruder steigt er in einen Zug, der ihn ins 1500 Kilometer entfernte Kalkutta bringt. Saroo, der sich dort nicht verständigen kann, haust unter Bettlern, wird gejagt von Polizisten und schwebt sogar im Waisenhaus in ständiger Gefahr, an Kinderschänder verkauft zu werden: Der an Originalschauplätzen gedrehte Film dürfte in Indien nicht nur Freude hervorrufen. Der reale Saroo schreibt das Wunder seines Überlebens im alptraumhaften Moloch Kalkutta einem Schutzengel zu.

Auf der Leinwand wird aber klar, dass es auch sein instinktives Selbstvertrauen ist, das ihn bösen Menschen entwischen lässt und später als erwachsenen Australier dazu treibt, die winzige Chance zu ergreifen, die ihm das Internet bietet. Nächtelang zoomt Saroo via Google Earth über den indischen Kontinent, wo er schließlich ein Detail wiedererkennt und tatsächlich auf seine Vergangenheit stößt. Doch so unsentimental die Inszenierung ist, so erzeugt dieser Film bis zum Happy End durchgängig Gänsehaut.