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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

»Ich war noch nie in der Zeitung«

Alle sprechen über Flüchtlinge, niemand über andere sozial Benachteiligte. Sinken deren Chancen auf Wohnraum und Jobs? Spurensuche in einem Land, das schon vor der Flüchtlingskrise sozial tief gespalten war

Dicht an dicht stehen die Menschen bei der Ausgabestelle der Tafel im Gallusviertel in Frankfurt/Main an. Achtzig bis hundert Menschen holen hier jeden Montag Lebensmittel ab. Auch immer mehr Flüchtlinge. Seit deren Zahl bei der Tafel zunehme, bekomme er weniger Lebensmittel, meint ein wartender Mann. Und ein anderer sagt: »Ich mein’s nicht böse, aber die Flüchtlinge sind schon gierig.« Zu den rund 1,5 Millionen Tafelnutzern bundesweit sind im vergangenen Jahr rund 250 000 Flüchtlinge hinzugekommen.

In Berlin-Moabit droht Frank Kretschmann abermals die Obdachlosigkeit. Derzeit wohnt er in einem Wohnheim für wohnungslose Menschen. Aber wie lange noch? Der Betreiber hat gewechselt, und der neue will dort lieber Flüchtlinge unterbringen. Weil die zu mehreren in einem Zimmer untergebracht werden können, bringt das höhere Einnahmen.

Bedürftige erhalten weniger Lebensmittel bei der Tafel, Wohnungslose müssen Flüchtlingen weichen. Leiden insbesondere die Armen und Einkommensschwachen unter den hohen Zahlen Geflüchteter? Arme wie Flüchtlinge konkurrieren um soziale Hilfen, preiswerte Wohnungen und Arbeitsstellen. Rechte Populisten schüren diesen sozialen Neid und versuchen, damit Stimmen zu gewinnen. Doch: Die Flüchtlinge sind nicht die Ursache von Armut, Langzeitarbeitslosigkeit oder dem Mangel an preiswerten Wohnungen in Deutschland. Sie verstärken lediglich schon lange bestehende soziale Probleme.

Etwa den Mangel an erschwinglichen Wohnungen. »Es liegt nicht an den Flüchtlingen, dass es keine Wohnungen gibt«, sagt Heidi Ott. Sie berät bei der Stadtmission Nürnberg Menschen in Wohnungsnot. Wer eine kleine Rente oder Sozialhilfe beziehe, habe es schon vor dem Ansteigen der Flüchtlingszahlen schwer gehabt, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Sozialwohnungen wurden kaum noch gebaut, bestehende fielen nach 15 Jahren aus der Sozialbindung heraus. Dringend müsse günstiger Wohnraum geschaffen werden, sagt Heidi Ott, die aber auch ein Gutes sieht: »Jetzt ist die Wohnungsknappheit endlich als Thema in der Politik angekommen.«

Dort wird auch über den Mindestlohn diskutiert. Soll er für Neuzugewanderte in den ersten sechs Monaten ausgesetzt werden? Damit würden Flüchtlinge zu harten Konkurrenten für hiesige Arbeitssuchende im Niedriglohnsektor werden, was Neid und Konkurrenz verstärken wird. Allerdings: Stellen Arbeitgeber Langze

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