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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

»Humanisten gelten als altmodisch«

Der israelische Rockmusiker und Schriftsteller Yali Sobol sorgt sich um die Demokratie in seinem Land. Ein Gespräch über staatliche Kontrolle, Selbstzensur und Terrormüdigkeit

Publik-Forum: Herr Sobol, Sie sind Musiker. Ihr Romanheld Joav ist Musiker. Wenn Israel ein Musikstück wäre, wie würde es klingen?

Yali Sobol: Ich würde sagen: Metallica. Sehr machomäßig, rumbumbumbumbum. Aber es gäbe auch romantische Anklänge, ein bisschen kitschig.

In Ihrem Roman »Die Hände des Pianisten« beschreiben Sie ein Israel im Übergang vom Rechtsstaat zum Totalitarismus. Sehen Sie Anklänge in der Realität?

Sobol: Mein Roman ist futuristisch. Weder staatliche Zensur noch Ausreiseverbote sind real in Israel. Aber die Realität übt sich hart darin, die Zustände in meinem Buch einzuholen. Im Hebräischen haben wir dieses geflügelte Wort: Die Prophezeiung erfüllt sich.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Sobol: Wir haben eine neue Kulturministerin, Miri Regev. Sie war früher Armee sprecherin. Sie hat absolut nichts mit Kultur am Hut, oder mit Kunst. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war es, dem Al-Midan, das ist ein palästinensisches Theater in Haifa, sämtliche Subventionen zu entziehen. Dort lief ein Stück über einen palästinensischen Mörder, über sein Leben im Gefängnis. Die Ministerin forderte die Absetzung des Stückes.

Die Regierung befindet darüber, was gute Kunst ist und was schlechte?

Sobol: Das passiert in letzter Zeit immer öfter. Es sind bis jetzt nur Einzelfälle, aber sie sind beängstigend. Wenn eine Regierung testen will, was das Volk sich gefallen lässt und was nicht, fängt sie am besten bei den Künstlern an. Ich b