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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Frühjahrsputz

vom 26.02.2016

Eigentlich erstaunlich, dass ich aus meiner ersten WG nicht gleich wieder rausgeflogen bin. Wer solche Zettel schreibt, ist für die Interaktion mit anderen Menschen einfach nicht geeignet.

»Wenn du dir schon meine Schuhe ausleihst, dann stell sie doch bitte ordentlich in den Schrank zurück!!! Und übrigens, die Spülmaschine: Du bist mit Ausräumen dran, nur zu deiner Information!!!«

Meine Mitbewohnerin schrieb auf einen zweiten gelben Papierfetzen, den sie danebenklebte, nur drei Worte: »Auswüchse des Heilfastens!!!«

Wir haben die Korrespondenz an unsere Küchenpinnwand gehängt und uns die nächsten drei Jahre unseres Zusammenlebens darüber totgelacht. Das heißt: Lachen konnte ich über meine Ausfälle erst, als die erste Fastenkur meines Lebens drei Tage später zu Ende war.

Denn Fasten ist nicht nur so ziemlich das Humorloseste, was man tun kann, auch die Fastenden selbst sind eine Zumutung für ihre Umwelt. Sie leiden an Stimmungsschwankungen. Sie riechen schlecht (warum, das habe ich nie verstanden, ist aber so). Und sie reden eine Menge Unsinn, in dem ziemlich häufig die Worte »Leben ändern« vorkommen.

Trotzdem tue ich es immer wieder. Jedes Jahr mindestens einmal, meistens in der Jetzt-wird-alles-anders-Phase zwischen letztem Wintergrau und erstem Parkwetter. Sieben Wochen ohne Was-auch-immer sind mir entschieden zu lang. Ich faste lieber nur eine Woche.

Dafür in der Hardcore-Variante: Ich esse nichts. Gar nichts. Als Ersatz trinke ich am Tag bis zu sieben Liter Wasser und ungesüßten Kräutertee. Und mache mir jeden Abend ein Glas Tomatensaft in einer Suppenschale heiß, ich tue dann so, als sei das Tomatensuppe.

Fasten ist der perfekte Frühjahrsputz für die Seele. Eine Reinigung von innen. Der Soundtrack dazu ist Magenknurren. Dass man beim Fasten keinen Hunger hat, ist eine der vielen Legenden, die sich um den freiwillig leeren Bauch ranken. Eine weitere: Die mysteriösen Schlacken im Körper, von denen in der Fastenliteratur oft die Rede ist, gibt es nach wissenschaft lichen Erkenntnissen gar nicht.

Wie schade. Der Gedanke an Gifte, die ich mit meiner Askese aus dem Körper schwemme, schwarz wie das, was beim Reinigen vermatschter Wanderstiefel zurückbleibt, war so schön.

Meist nehme ich mir sogar extra eine Woch

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