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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

Empathie mit den Tätern

Publik-Forum: Wie kamen Sie zu Ihrer Forschung?

Stephan Linck: Als Zeithistoriker erhielt ich 1999 einen Arbeitsauftrag der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche für dieses Spezialgebiet. Vorher hatte ich mich mit Polizeigeschichte beschäftigt. Außerdem bin ich in einer Pastorenfamilie aufgewachsen. Meine Eltern haben sich ihr Leben lang die Frage nach der Vergangenheit gestellt. Deshalb habe ich von Haus aus ganz viel Hintergrundwissen in diesem Bereich.

Was waren Ihre größten Überraschungen?

Linck: Eine schlimme Erkenntnis war, dass die landeskirchliche Pressearbeit in Schleswig-Holstein tatsächlich von ehemaligen SD-Leuten (Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, Anm. d. Red.) aufgebaut worden ist. Es ist mir unverständlich, dass jemand 1947 zum Leiter der Pressestelle ernannt wurde, von dem alle wussten, dass er nicht öffentlich auftreten durfte. Es gab also ein Kollektiv, das um die Vergangenheit dieses Mannes wusste, nicht nachfragte und ihn sogar schützte. Diese Täterempathie tut schon weh.

Sind Sie auf Widerstände gestoßen?

Linck: Als mein erstes Buch herausgekommen ist, war klar, dass hier einige Geschehnisse ausgegraben worden sind, die nicht bekannt waren und von denen man es nicht vermutet hätte. Ich auch nicht. Das ist von einigen Medien zum Teil sehr zugespitzt aufgegriffen worden. Insbesondere Bischof Wilhelm Halfmann, der in Schleswig-Holstein eine sehr geehrte Persönlichkeit ist, stand in der öffentlichen Kritik. Daraufhin gab es eine scharfe Reaktion. Die Kirchenleitung wurde aufgefordert, sich