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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2016
Martin Luther: Der zweifelhafte Freiheitsheld
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Widersprecher

Dimitrij Gudkow hatte als Sohn eines KGB-Offiziers gute Karrierechancen. Jetzt ist er der einzige Oppositionspolitiker im russischen Parlament

Es wird einsam um Dimitrij Gudkow, zumindest in der Duma, dem russischen Parlament. Er ist dort der letzte Oppo sitionelle. Oft genug steht auf der Tafel mit den Abstimmungsergebnissen sein »Nein« 449 Ja-Stimmen gegenüber. Dabei ist er mit großen Karriereaussichten einst für die Partei Gerechtes Russland in das Parlament gewählt worden, einer vom Kreml geschaffenen Oppositionspartei, die mit einem sozialen Image den oppositionellen Kommunisten das Wasser abgraben sollte.

Dimitrij Gudkow hätte sich dem System anpassen können. Als Sohn eines ehemaligen KGB-Offiziers, der für die gleiche Partei im Parlament saß, entstammt er der Moskauer Elite. Doch seit Juni 2012 ist alles ganz anders. Als der Kreml das Versammlungsverbot verschärfte, blockierten Dimitrij und sein Vater Gennadi die Verschärfung des Gesetzes elf Stunden lang mit pausenlosen Änderungsanträgen – die sogenannte »Filibuster-Taktik«, die auch im US-Parlament Tradition hat. Vater und Sohn konnten das verschärfte Versammlungsverbot nicht verhindern. Doch ihre Ak tion hatte Konsequenzen: Die Führung von Gerechtes Russland schloss Vater Gennadi aus der Partei aus und entzog ihm das Mandat. Der Sohn wurde ebenfalls aus der Partei ausgeschlossen, behielt jedoch sein Mandat. »Ein Mandats entzug hätte wohl doch zu viel Lärm verursacht«, sagt Dimitrij Gudkow, der inzwischen in Russlands demokratischer Opposition ein hohes Ansehen genießt.

Seitdem nutzt er seine Stellung im Parlament zur Aufklärung von Vorkommnissen, die nicht aufgeklärt werden sollen – und stößt dabei auf immer größeren Widerstand. So im August 2014, als er das Verteidigungsministerium fragte, ob Berichte über gefallene Soldaten in Russland zuträfen.