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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

Tausende Beschwerden

von Rebekka Sommer vom 22.02.2013
In Ägypten kommt der Verbraucherschutz ins Rollen

Amal Ehsan ist eine kleine Frau mit schwarzer Lockenmähne und lebendigen Augen. Zu ihrem Vortrag in einem Konferenzraum in der Französischen Straße in Berlin sind Mitarbeiter der umliegenden Ministerien gekommen. Nur wenige Presseleute sind da. Das Thema: Welche Bedeutung hat der Verbraucherschutz in dem gewaltigen Prozess, den die ägyptische Gesellschaft gerade durchläuft? »Eine große«, sagt Ehsan.

»Licht im dunklen Tunnel« – mit diesem Motto endet ihr Vortrag. Die ägyptische Verbraucherschützerin hat Bilanz über das erste Jahr eines Partnerschaftsprojektes gezogen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) führt es in der ägyptischen Stadt Giza gemeinsam mit der Consumer Protection Agency (CPA) durch. Gefördert wird das Projekt durch EU-Mittel, auch französische und spanische Partner sind beteiligt. Es geht um Verbraucherschutz in einem Land, das dieses Thema bislang stiefmütterlich behandelte. Die Verbraucherschutzzentrale in Giza funktionierte lange nicht. Das soll sich nun ändern.

Ägyptens Regierung subventioniert das traditionelle Baladi-Brot, ein Grundnahrungsmittel, mit Milliardenbeträgen. Doch bei den wirklich Bedürftigen kommt es oft nicht an. Amal Ehsans Behörde arbeitet darauf hin, mehr Ausgabestellen für das staatlich subventionierte Brot einzurichten. Ein alltägliches Problem ist auch, dass der ägyptische Markt von chinesischen Billigprodukten überflutet wird.

Die CPA in Giza hat etwa hundert Mitarbeiter, davon sind vierzig für den direkten Kontakt mit den Verbrauchern angestellt. Nach mehreren Presse-Kampagnen gehen monatlich 1800 Beschwerden ein. Nur zwanzig Mitarbeiter sind rechtlich befugt, wegen schlechter Qualität aufgefallenen Händlern ihre Praktiken direkt zu untersagen, viel können sie nicht ausrichten. Dennoch: »Die Dokumentation und Auswertung eines so hohen Beschwerdevorkommens findet man im deutschen Verbraucherschutz nicht«, sagt Wolfgang Starke, der als Langzeitexperte des deutschen Partners während des 27 Monate dauernden Projektes in Giza lebt.

Wie baut man ein solches Zentrum auf, wie ist es aufgebaut? Die Stärken des Partners anzuerkennen und davon zu lernen ist für beide Seiten wichtig; es soll keine »Einbahnstraße« sein. Umgekehrt zeigt Ehsan sich beeindruckt davon, wie deutsche Institutionen Hand in

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