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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2013
Die Entscheidung
Nach dem Rücktritt des Papstes: Was sich in der katholischen Kirche ändern muss
Der Inhalt:

»Ich habe es geschafft«

von Knut Henkel vom 22.02.2013
Gina Moreno Sotoist Schauspielerin, Mutter und Sozialarbeiterin. Mehr als zwei Jahre hat sie als Kindersoldatin im kolumbianischen Dschungel gekämpft

Die beiden einfachen Häuser in der am Hang liegenden Straße kennt Gina Moreno Soto nur zu gut. Sie sind so etwas wie ein zweites Zuhause, denn hier in Usme, einem Vorort von Bogotá, hat die junge Frau ihren Absprung vollzogen. »Es ist nicht leicht, dem Kreislauf der Gewalt zu entfliehen, aber hier habe ich es geschafft«, sagt die 24-jährige Frau mit einem zufriedenen Lächeln. Heute ist eine Gruppe von Neuankömmlingen hier. Minderjährige Jungen und Mädchen, die wie Gina von der Armee oder Polizei gefangen genommen wurden, weil sie für die Guerilla oder die Paramilitärs als Kindersoldaten im Einsatz waren. »Um die Hundert sind es allein in Bogotá, denen wir bei der Reintegration in ein ziviles Leben helfen«, erklärt Stella Duque. Sie ist die Direktorin von Taller de Vida, einer therapeutischen Jugendeinrichtung, die versucht, Minderjährigen den Neustart in ein ziviles Leben zu ebnen.

Bei Gina hat es geklappt. Die relativ kleine Frau mit den halblangen pechschwarzen Haaren hat vor zwölf Jahren ihre Familie verlassen und sich der größeren der beiden kolumbianischen Guerillaorganisationen angeschlossen, der FARC. »Ich bin in einem Dorf im Süden Kolumbiens groß geworden, und Kolonnen der Guerilla waren dort permanent präsent. Das war Alltag«, so die junge Frau, die derzeit eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert. Alles andere als schön sind die Erinnerungen an ihre Kindheit: »Wir Kinder mussten viel arbeiten, wurden zu Hause schlecht behandelt. Als wir eine Tages, ich war elf Jahre alt, gegen Mittag vom Feld kamen, war das ganze Haus voll mit Guerilleros der FARC. Die schlugen meiner Tante und mir vor, sie zu begleiten«, erinnert sich Gina Moreno. Die beiden Mädchen, die Tante war gerade ein Jahr älter, willigten ein.

»Wir hielten es zu Hause nicht mehr aus, weil wir schuften mussten wie die Maulesel und obendrein immer wieder geschlagen wurden«, erklärt Gina und legt die Stirn missbilligend in Falten. Die Erinnerung fällt ihr schwer; ihre Entscheidung, die Guerilleros zu begleiten, fiel, als man ihr versprach, sie gut zu behandeln. Gegenüber den Comandantes, den leitenden Offizieren der linken Rebellenarmee, mussten sie nur angeben, mindestens 15 Jahre alt zu sein. Die beiden Mädchen waren nicht die Einzigen, die an diesem Tag von der Kolonne der FARC rekrutiert wurde. Zwei Jungen, die aus den gleichen Gründen wie die beiden Mädchen ihrer Familie den Rücken

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