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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Wir waren eine glückliche Familie

von Maxine Emeline Michels vom 04.05.2012
Nicht immer läuft alles so, wie man es sich wünscht. Gegen das Schicksal hast du keine Macht

Mein Name ist Emilia. Emilia Woods. Ich bin 14 Jahre alt und gehe in die 9. Klasse auf ein Gymnasium. Wir sind in meiner Familie drei Kinder, Marlon ist der Kleinste von uns dreien und Sophie die Älteste. Obwohl Sophie heute 17 Jahre alt geworden ist, fühle ich mich, als wäre ich die ältere von uns beiden. Ich bin für Marlon, der noch nicht ganz vier Jahre alt ist, wie eine zweite Mami, und vom Bringen in den Kindergarten bis zum Geburtstagspartys-Planen übernehme ich alles! Obwohl es jetzt so wirkt, als hätten wir die schlimmsten Eltern, ist das eine Täuschung. Sie haben uns alle bekommen, weil sie sich uns gewünscht haben. Meine Eltern sind wirklich die besten der Welt, und früher haben sie alles für uns gemacht. Wir können immer zu ihnen kommen und haben das Gefühl, dass sie uns verstehen. Wir waren immer eine sehr glückliche Familie. Doch eine lachende Familie ist manchmal nur eine Fassade. Eine Fassade mit Rissen, die jeden Moment einzustürzen droht und unser Lachen genau wie unsere kleine heile Welt in Sekunden zerstören könnte. Es ist verrückt. Mama und Daddy haben sich jeden von uns gewünscht, und genau wie man das in den meisten Märchen hört, haben sie alles geplant, die perfekte Familie zu haben. Doch das Leben kann man nicht planen, denn nicht immer läuft alles so, wie man es sich wünscht. Gegen das Schicksal hast du keine Macht.

Einige Monate nachdem Marlon geboren wurde - an einem furchtbar regnerischen Tag -, ging Mami mit Sophie zum Arzt. Soweit ich mich erinnern kann, war der Grund, dorthin zu gehen, nichts sonderlich Ernstes. Doch als Mami mit Sophie wieder zu Hause in der Tür stand, unfassbar schnell viele merkwürdige Worte, die mittlerweile zu unserem täglichen Gebrauch gehören, benutzte und dazu hektische Handbewegungen machte, war es klar: Sophie war krank, und es war kein Husten oder Fieber, das Mami uns so mitteilen wollte. Nein. Sophies weiße Blutkörperchen vermehrten sich zu stark. Sie hatte Hyperleukozytose, in anderen Worten: Leukämie.

Es sind mittlerweile vier Jahre vergangen, und seitdem ist alles anders. Am Anfang waren es nur kleine Umstellungen, an die wir uns alle gewöhnen mussten. Wie die häufigen Arztbesuche und all die Medikamente, die Sophie nehmen musste. Doch irgendwann veränderte sich das Leben meiner kompletten Familie. Sophies akute Leukämie ist sehr weit fortgeschritten, und sie muss sehr häufig ins Krankenhaus. Wenn sie zu Hause ist, kümmert Mama sich die me

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