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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

»Jetzt halte ich Vorträge«

von Barbara Brüning vom 04.05.2012
Peter B. war schon Alkoholiker, bevor er erwachsen wurde. Jetzt ist er seit 32 Jahren trocken

Ich heiße Peter und bin Alkoholiker«. So stelle ich mich jetzt schon seit 32 Jahren in meiner Selbsthilfegruppe vor. So lange bin ich jetzt schon trocken. Aber die Versuchung ist immer noch da. Wenn ich zum Beispiel eine Kochsendung sehe und da wird ein bestimmter Wein empfohlen, dann überlege ich schon mal, wie der zu dem Essen schmecken würde. Neulich hab ich einen Kuchen gegessen und gleich gemerkt, dass da Alkohol drin war – das spürt man, auch wenn es nur ein paar Tropfen sind. Das setzt irgendwas im Gehirn in Gang. Da muss man wirklich ganz vorsichtig sein.

Also damals, vor 32 Jahren, sagte mir ein Sozialarbeiter: »Wenn Sie ein vernünftiges Leben führen wollen, dann müssen Sie abstinent leben.« Für mich war das eine Horrorvorstellung. Es hieß: keinen Spaß mehr! Dabei hatte ich damals ohnehin keinen Spaß mehr, aber das wollte ich mir nicht eingestehen. Ich war 22 Jahre alt, hatte zehntausend Mark Schulden, trank am Abend so rund 15 große Bier und jede Menge Schnäpse dazu. Aber man hat es mir nicht angemerkt. »Der Peter, der kann das vertragen«, hieß es, und ich war stolz darauf. Mein Führerschein war weg, ich stand vor Gericht wegen einer Fahrerflucht, an die ich mich gar nicht erinnern konnte, ich bin im Krankenhaus aufgewacht, ohne zu wissen, wie ich dahingekommen bin.

Bei der Arbeit hab ich mich so durchgewurschtelt. Meine Kollegen waren oft sauer, der Chef verlangte ein Attest, wenn ich fehlte. Mein Hausarzt hat das Spielchen mitgemacht. Einmal hab ich ihn angesprochen, weil meine Hände so gezittert haben. Da hat er mir ein Medikament dagegen gegeben. Ohne weiter zu fragen.

Ich hatte schon mit sechzehn jede Woche mindestens einen Vollrausch. Ich kann mich noch genau an das erste Mal erinnern, das war nämlich bei meiner Konfirmation, da durfte ich zum ersten Mal offiziell Alkohol trinken. Und das war ein ganz erstaunliches Erlebnis: Ich war ein sehr schüchternes Kind, aber an diesem Tag konnte ich plötzlich vor allen reden und hab mich ganz frei gefühlt. Meine Mutter hat noch gesagt: »Du warst ja wie ausgewechselt.« Da bin ich auf den Geschmack gekommen. Am Anfang war das noch das, was man Entlastungstrinken nennt. Irgendwann spielte das aber keine Rolle mehr, da hab ich das einfach gebraucht. Ich war immer mit Freunden zusammen, die haben ja auch getrunken. Aber bei mir war das von Anfang an anders: Ich konnte nicht aufhören – es musste immer bis zum Umf

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