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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Hey Baby

von Judith End vom 04.05.2012
Entscheidungen kann man mit dem Kopf oder dem Bauch treffen, oder sie treffen dich. Egal wie man es anstellt: Leben ist das, was rauskommt. Und wenn es ein kleines Mädchen ist

Das Huhn war das Anzeichen! Das gegrillte Huhn, das ich nach sieben Jahren strengen Vegetarierdaseins vor einer Pommesbude am Bahnhof mit den Fingern zerpflückte, in mich hineinstopfte und postwendend einer öffentlichen Toilette überantwortete - es hat mir alles zugegackert, aber ich habe nicht zuhören und nichts merken wollen.

Kurze Zeit nach dem Huhn begann etwas, das ich wiederum sehr wohl bemerkte, das auch andere bemerkten (Kommilitone Jérome: Mein Gott, hattest du schon immer so große Brüste?), das sich jedoch noch unter einer durchaus möglichen Abweichung vom hormonellen Normalzustand abtun ließ, eben das, was mit dem weiblichen Körper so passierte, wartet man auf das Einsetzen seiner Menstruation, den Besuch der roten Tante oder wie man es ausdrücken möchte. Als ich vier Wochen später immer noch auf meinen Tantenbesuch warte, drückt langsam, aber sicher die bittere Erkenntnis wie ein zu enger Skihelm auf mein Hirn: Die Tante hat mich versetzt.

Noch bevor sich die letzten Farbpigmente durch das Plastikfenster des Pinkelstäbchens zu jenem bedeutungsschweren Zeichen formieren, schwant mir bereits, dass es sich weder um ein rosa Kreuz handeln werden wird (an das man sich zur Not direkt hätte drannageln können) noch um ein schnödes Plus, sondern um nichts Geringeres als eine Kontinentalplattenverschiebung in dem Leben, das eigentlich gerade im Begriff war, meines zu werden.

Pick, pick, pick - klopft etwas an mein Herz. Das Huhn hat zweifelsfrei sein Ei gelegt. Nun denn, nehmen wir die Fäden in die Hand, beziehungsweise vernähen wir flugs noch die letzten an der klitzekleinen Babywollmütze; der Krippenplatz ist eh längst bezahlt; der Bausparvertrag für das Prinzesschen schwuppdiwupp in Auftrag gegeben; die Zimmerwände leuchten, hast-du-nicht-gesehen, in erwartungsfrohem Rosa; Papi kommt dann in Zukunft eben ein bisschen früher aus der Kanzlei, um das Bäuchlein zu streicheln. Willkommen Abenteuer Elternschaft!

Doch was, wenn die kleine Erbse im gerade mal 20-jährigen Bauch, der viel lieber auf Hip-Hop-Partys als vor dem Hirsebreiregal im Bioladen herumschaukelt, nicht akribisch geplant und gepflanzt wurde, sondern Folge eines verkorksten One-Night-Stands mit einem verflossenen Jugendschwarm ist? Was, wenn, kaum zu Hause ausgeflogen, das Glück der neuen Freiheit einen wünschen lässt, man könne sein ganzes Leben als Studienanfänger im Sommersemester verbringen? Wenn sich das Wort V

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