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Starker Auftritt

von Udo Taubitz vom 04.05.2012
Mario Galla ist ein beliebtes Model. Er trägt tolle Klamotten und eine Prothese. Manchmal humpelt er über den Laufsteg. Provo sprach mit ihm

Provo: Ihr rechtes Bein ist von Geburt an nur halb so lang wie das linke, Sie tragen eine Beinprothese. Wie kam es, dass Sie trotz dieses offensichtlichen Handicaps Model wurden?

Mario Galla: Purer Zufall. Ich wurde in einer philippinischen Imbissbude in Hamburg angesprochen. Der Besitzer arbeitete nebenbei als Modelscout für eine Agentur. Während er meinen Burger grillte, fragte er mich, ob ich schon mal professionelle Fotos gemacht hätte und ob ich ihm nicht meine Nummer dalassen könnte. Ein paar Tage später kam eine Einladung zu einem Casting. Nachdem die Polaroids gemacht waren, zeigte ich meine Prothese. Die Leute von der Agentur reagierten cool: Das sei kein Problem. Am Schluss war ich von sieben Jungs der einzige, den sie nahmen. Ein paar Wochen später hatte ich den ersten Job für Hugo Boss.

Wenn Ihnen vor fünf Jahren jemand gesagt hätte: Mario, bald wirst Du für Boss, Alexis Mabille und Michael Michalsky über den Laufsteg gehen. Was hätten Sie geantwortet?

Den hätte ich ausgelacht. Ich hätte mir nie zugetraut, als Model arbeiten zu können. Es war auch nie mein Traum. Es hat sich dann erst bei der Arbeit zu meinem Traumberuf entwickelt.

Die Modewelt ist eitel. Das Geschäft basiert auf perfekten Oberflächen. Wie reagieren Designer, wenn sie Ihre Prothese sehen?

Kunden in Deutschland sind eigentlich vorab informiert. Im Ausland erfahren das die Kunden aber manchmal erst, wenn ich zum Job erscheine. Da ergeben sich schon komische Situationen. Ich hab zwar Fotos in meiner Mappe, auf denen meine Prothese zu sehen ist, aber manche Designer denken, das sei ein ausgefallenes Modeaccessoire.

Und wenn sie dann begreifen, was es wirklich ist?

Dann ist es manchmal gar nicht witzig. Besonders krass war es bei einem Casting in Paris: Der Designer mochte mich erst wahnsinnig gern in seinen Klamotten. Dann fragte er mich, warum ich humple. Ich zog mein Hosenbein hoch und erklärte es ihm. Er wurde total ausfallend, schrie rum. Wie könnte man ihm einen Krüppel schicken, und er sei ja nicht die Wohlfahrt!

Aus Mitleid bekommen Sie wahrscheinlich keine Jobs, oder?

Nee. Das brauch ich aber auch nicht. Ich will nicht anders

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