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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Der Unruhestifter

vom 04.05.2012
Baltasar Garzón jagte Drogenhändler, Despoten und Terroristen. Nun steht der Richter selbst vor Gericht

Er ließ Pinochet verhaften, klagte Bush an und ermittelte gegen Verbrechen der Franco-Diktatur: Von den Medien wird der spanische Jurist Baltasar Garzón als »Tyrannenjäger«, »Star-Richter« und »Weltgewissen« gefeiert. Nun sitzt der 56-jährige Einzelkämpfer, der seit Jahren mit viel Ehrgeiz gegen Unrecht vorgeht, selbst auf der Anklagebank: Elf Jahre Berufsverbot hat das Oberste Gericht in Madrid ihm wegen einer Abhöraktion bereits erteilt. Das Urteil eines zweiten Prozesses gegen ihn steht noch aus.

Eigentlich sollte Baltasar Garzón Priester werden. Er wächst als Zweitältester von fünf Geschwistern in dem kleinen Dorf Torres im Süden von Spanien auf. Sein Vater, Nachkomme einer Bauernfamilie, arbeitet als Tankwart. Nach dem Schulabschluss entscheidet sich Garzón jedoch gegen die Theologie und für ein Jurastudium an der Universität von Sevilla. Heute ist der Herr mit den eisgrauen Haaren und dem entschlossenen Blick der wohl berühmteste Jurist Europas. In der spanischen Presse ist Garzón Held und Hassfigur zugleich, er hat viele Fans, doch auch viele Feinde: Seit gut zwanzig Jahren wird er rund um die Uhr von Leibwächtern begleitet.

Bereits mit 33 Jahren wird Garzón Untersuchungsrichter am Nationalen Gerichtshof in Madrid und nimmt fortan Drogenbosse, korrupte Politiker und Wirtschaftsverbrecher ins Visier. Er ermittelt gegen die baskische Terrorvereinigung ETA ebenso wie gegen die spanischen Todesschwadronen GAL, die in den 1980er-Jahren mutmaßliche ETA-Helfer ermordet hatten. 1993 übernimmt er für die regierende Spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE)das Amt eines Staatssekretärs. Doch bereits nach zehn Monaten kehrt er auf seine Stelle als Richter zurück. Als Garzón 1998 den chilenischen Ex-Diktator Pinochet in London unter Hausarrest stellt, erlangt er auch über die Grenzen von Spanien hinaus Berühmtheit. Wenig später lässt er Generäle der argentinischen Militärjunta verhaften, weil sie Oppositionelle aus Flugzeugen ins Meer geworfen hatten.

Doch nun liegt Garzóns Karriere auf Eis. Der Grund: Er hat bei Ermittlungen gegen illegale Parteienfinanzierung, in die auch Politiker der in Spanien regierenden Volkspartei verstrickt sind, Gespräche von Inhaftierten abgehört. In einem zweiten Prozess wird ihm vorgeworfen, er habe das spanische T

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