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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Der atheistische Pastor

von Heidi Kronenberg vom 04.05.2012
Klaas Hendrikse glaubt, dass sich Gott ereignet, wenn Menschen aufbrechen und einander begegnen. Seine Gemeinde folgt ihm

Sonntag für Sonntag steht Klaas Hendrikse auf der Kanzel. In Middelburg im Süden Hollands leitet der 64-Jährige Gottesdienste der dortigen Reformierten Gemeinde. Er predigt, beerdigt, führt Trauungen durch, tauft und macht Hausbesuche. Ein Pfarrer wie jeder andere? Nein. Denn Hendrikse glaubt nicht an die Existenz Gottes.

Warum wird so einer Pfarrer? »Ich bin das Kind eines atheistischen Vaters«, erzählt der hochgewachsene Mann mit dem markanten Gesicht. »Mein Vater sagte immer, der Glaube an einen Gott sei Unsinn.« Als Student der Wirtschaftswissenschaften begleitete der Sohn seinen Vater, einen Tierarzt, oft auf dessen Touren zu den Bauernfamilien. »So kam ich viel herum und sah, dass die Bauern, vor allem aber die Bäuerinnen, felsenfest an Gott oder etwas Göttliches glaubten. Sie waren derart überzeugt, dass ich mir sagte: Ihr Glaube kann kein Unsinn sein.«

Klaas Hendrikse lässt die Frage nach Gott seitdem nicht mehr los. Nach einigen Jahren als Manager beim Bürotechnologiekonzern Xerox entschließt sich der 28-Jährige, evangelische Theologie zu studieren. Daneben arbeitet der Familienvater weiter als Wirtschaftsberater, um die Seinen durchzubringen. Führte ihn das Theologiestudium zum Glauben an Gott? »Nein, für mich war und blieb immer klar, dass Gott nicht existiert«, sagt der atheistische Pfarrer. »Aber ich begann zu verstehen, warum Menschen an Gott glauben.«

Kein Gottesleugner. Eines Tages – da war Hendrikse 36 Jahre alt – habe ein Bekannter aus der Gemeinde Middelburg zu ihm gesagt: »Wir suchen einen Pastor. Ein Typ wie du könnte zu uns passen.« Er sei zwar sehr erstaunt gewesen, erzählt Hendrikse, »doch ich bin darauf eingegangen.« Und siehe da: Es hat funktioniert – bis heute.

Klaas Hendrikse glaubt nicht an einen allmächtigen Gott. Er glaubt nicht, dass Jesus als Sohn Gottes für die Menschen am Kreuz gestorben ist. Er glaubt nicht an das ewige Leben, das Christen nach dem Tod erwarte. Er nennt sich selbst einen Atheisten. »Ein Atheist ist wörtlich verstanden ein Nicht-Theist oder manchmal auch ein Anti-Theist«, erläutert der niederländische Geistliche. »Er glaubt nicht, wie der Theist, an ein Wesen, das irgendwo ist und bestimmte Eigenschaften hat wie barmherzig, allmächtig, allgegenwärtig. Aber«, sagt er sodann, »ein Atheist muss nicht zwangsläufig ein Gottesleugner s

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