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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
Der Inhalt:

»Unmenschliche Rechtssprechung«

von Annette Lübbers vom 14.02.2020
Martin Schmidt-Kortenbusch engagiert sich für Frauen, die in El Salvador wegen Abtreibung verfolgt werden

Als Katholik bin ich davon überzeugt, dass sowohl das geborene als auch das ungeborene Leben heilig und schützenswert ist. Aber ich finde auch: Wenn das Leben oder die Gesundheit der Mutter auf dem Spiel stehen, darf die Entscheidung nie eine einfache, schematische und kategorische sein. Völlig inakzeptabel wird es, wenn eine Frau, die sich aus welchen Gründen auch immer für eine Abtreibung entschieden hat oder ihr Kind durch eine Fehl- oder Totgeburt verliert, als Mörderin verurteilt wird. So aber geschieht es in El Salvador. Diese unmenschliche Rechtsprechung lässt sich weder mit dem Schutz des ungeborenen Lebens noch mit der katholischen Moral rechtfertigen. Sie ist menschenverachtend.

Seit mehr als 35 Jahren bestehen enge Beziehungen zwischen meiner Gemeinde Sankt Albertus Magnus in Braunschweig und den Sozialprojekten der Gemeinde »22 de abril« am Stadtrand von San Salvador. Ich zähle seit Langem zum Freundeskreis El Salvador meiner Pfarrei.

Sensibilisiert für das Thema Abtreibung wurde ich, als uns eine Frau aus El Salvador besuchte und uns erzählte, dass dortige Ärzte den Behörden Frauen melden müssen, die abgetrieben oder ihr Kind verloren haben. In den folgenden Strafprozessen gibt es nicht einmal mildernde Umstände, wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstanden war. Vergewaltigungen sind leider häufig: Statistiken zufolge werden in El Salvador jedes Jahr etwa 25 000 Frauen vergewaltigt. Plus hohe Dunkelziffer. Und das bei nur etwa 6,3 Millionen Bürgern. Auffallend dabei ist: Es trifft so gut wie ausschließlich jüngere Frauen aus armen Verhältnissen.

Wir haben im vergangenen Januar verurteilten Frauen Hygieneartikel als Geschenke und einen Solidaritätsbrief geschickt. Wir machten mit bei Briefaktionen von Amnesty International. Und natürlich schrieben wir an den Papst. Der Berliner Nuntius antwortete, zusammengefasst: Man mische sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Staates ein und zweitens sei Abtreibung nach dem römischen Katechismus ein »abscheuliches Verbrechen«. – Als Katholik schmerzt es mich zu sehen, dass meine Kirche sich so aus der Verantwortung stiehlt. Immerhin: Es gibt neuerdings in El Salvador erste Verfahren, die mit einem Freispruch endeten oder in denen eine frühzeitige Entlassung aus der Haft angeordnet wurde. Doch ein Du

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