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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
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Schöne neue Arbeitswelt

von Heike Baier vom 14.02.2020
Homeoffice, Telearbeit oder Vertrauensarbeitszeit: Immer mehr Menschen können ihren Job auch zu Hause erledigen, fern von der Firma und wann immer sie wollen. Aber geht es ihnen damit besser?

Es gibt Tage, da vermisst Markus P. sein altes Arbeitsleben. Früher ist er morgens aus der Haustür getreten, in die Firma gefahren, hat seine Tasche abgelegt und die Kollegen begrüßt. »Man ging erst mal in die Kaffeeecke, hielt dort einen Schwatz. Irgendwann fuhr man dann den Rechner hoch, tüdelte sich zurecht und legte los.« Bei seinem alten Arbeitgeber, einer Softwareberatung mit knapp hundert Mitarbeitern, saßen alle in einem Gebäude, mittags aß man gemeinsam. Hatte man eine Frage, genügte ein Zuruf über den Schreibtisch. Heute geht Markus P. nach dem Frühstück nur noch eine Treppe hoch – und schon sitzt er in seinem Büro: 15 Quadratmeter, großer Bildschirm, kleines Dachfenster mit Blick in den Himmel. Vor einem Jahr ist der Elektrotechniker zu einem größeren Software-Hersteller mit zahlreichen, über ganz Europa verstreuten Niederlassungen gewechselt. Wie viele Mitarbeiter im Vertrieb erhielt auch Markus P. von vornherein einen reinen Homeoffice-Vertrag. Warum, das kann er nur vermuten: »Man hörte, dass das Unternehmen die Dependance hier nicht zu groß werden lassen wollte – weil es sonst einen Betriebsrat zulassen müsste. Und die Leute aus dem Vertrieb sind ja ohnehin häufig unterwegs.« Der 47-Jährige, der seinen vollen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, hinterfragte den Vertrag auch deshalb nicht, weil ihm die Arbeit in den eigenen vier Wänden attraktiv erschien. »In manchen Phasen denke ich tatsächlich: Das ist das Beste, was mir passieren konnte.« Zum Beispiel, wenn er auf Geschäftsreise war und den nächsten Tag dann ganz langsam angehen kann. Oder wenn er im Sommer zur Kaffeepause in seinen Garten geht. Und auch an diesem Morgen, als er die neuen Reifen rasch an einem Werktag aufziehen lassen konnte, statt auf einen Termin am Wochenende zu warten.

Der Arbeitsmarkt verlangt Flexibilität

Dass Vati abends um fünf mit der Aktentasche nach Hause kommt und mit dem Schritt über die Schwelle die Freizeit mit der Familie beginnt: Dieses Bild scheint in fast jeder Hinsicht überholt zu sein – vom Mann als alleinigem Verdiener über die Aktentasche bis zum festen Feierabend. Der Arbeitsmarkt verlangt heute nach flexibleren Modellen und betitelt sie mit so schönen Namen wie »Homeoffice«, »Telearbeit« oder »Vertrauensarbeitszeit«. Viele Jobs sind nicht mehr an einen festen Ort gebunden, und sie müssen oder können auch nicht mehr in einem geregelten Acht-Stunden-Tag bewälti

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