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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2020
Geht doch!
Der Synodale Weg der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Hetze und Hass gegen Pfarrer

von Viola Rüdele vom 14.02.2020
Drohungen und Shitstorms treffen nicht nur Politiker – auch Geistliche werden aus der rechten Ecke angegriffen

Für den Reformationstag 2019 hatte Pfarrer Tom Damm etwas Besonderes geplant: Dunya Elemenler, eine Muslima, sollte in der evangelischen Kirche in Schwerte eine Kanzelrede halten. Ein Zeichen für Offenheit und interreligiösen Dialog. Doch bevor die Kanzelrede überhaupt stattfand, erlebte der Pfarrer einen regelrechten Shitstorm. In den sozialen Medien war er plötzlich mit etwa tausend abfälligen Kommentaren konfrontiert. »Die Nachrichten enthielten die immer gleichen beleidigenden Botschaften, oft wurde einfach der Text von rechtsradikalen Internetseiten zitiert«, erzählt Tom Damm.

Dahinter steckt offenbar Methode: Zuvor hatten sowohl der AfD-Kreisverband Dortmund auf seiner Facebookseite sowie verschiedene rechte Websites, zum Beispiel Politically Incorrect News (PI-News) und Journalistwatch, auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. PI-News veröffentlichte zudem die Kontaktdaten und ein Foto von Tom Damm, mit der Aufforderung, sich doch einmal bei ihm »freundlich zu erkundigen, was es damit auf sich hat«.

Mitte November erhielt Damm sogar eine Morddrohung und eine Bombendrohung gegen das Gemeindehaus. Am Volkstrauertag fand sein Gottesdienst schließlich unter Polizeischutz statt.

Solch extreme Fälle wie den von Tom Damm kennen fast alle Landeskirchen und Bistümer in Deutschland, wenn auch in geringer Zahl. Genaue Daten gibt es nicht, da die Kirchen darüber keine Statistik führen. Doch in den sozialen Netzwerken wird der Ton immer rauer, Hass, Hetze und Beleidigungen stehen an der Tagesordnung. Und solche Angriffe treffen nicht nur Politiker, sondern auch Geistliche.

Als etwa die Evangelische Kirche in Deutschland 2013 die Gleichstellung Homosexueller in der Kirche forderte, waren die Anfeindungen auch gegen einzelne Geistliche besonders hoch, berichtet Volker Rahn, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen-Nassau. Gleiches erlebte er 2015, als sich die Kirche deutlich flüchtlingsfreundlich positionierte. »Die Drohungen haben inzwischen eine neue Qualität angenommen. Da schaut man sich bei Großveranstaltungen einmal mehr um«, sagt Rahn. Inzwischen winkt seine Abteilung solche Drohungen nicht mehr einfach durch, sondern verfolgt Angriffe, wenn nötig, auch strafrechtlich. »Es ist eine bedauerlic

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