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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
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»Effektive Altruisten« unterstützen Projekte nur nach strengem Kalkül. Sinnv
Der Inhalt:

Das Leib-und-Seele-Gespräch: »Sieger haben keinen Sex-Appeal«

Hans-Eckardt Wenzel ist Liedermacher und weckt mit seinen Festivals an der Ostsee die Sehnsucht nach einem anderen Leben. Als junger Musiker geriet er ins Visier der Stasi, wurde krank und fand seinen Rhythmus in Nicaragua wieder

Publik-Forum: Herr Wenzel, Sie veranstalten jedes Jahr ein Musikfestival am Peenestrom vor der Insel Usedom. Was reizt Sie daran?

Hans-Eckardt Wenzel: Diese abgelegenen Orte an den Rändern zeigen die Defizite am genauesten. Dort stehen Windräder, die den Strom für die Metropolen erzeugen, nicht für die, die dort leben. Politik gibt es nicht mehr. Die Politik ist zu einem bürokratischen Monstrum verkommen, eingekeilt zwischen Verfügungen, Gesetzen und den Interessen der Industrie. Es geht mir um kulturellen Widerstand, ein Sich-Widersetzen mit den Mitteln der Kunst.

Aber was kann Musik da ausrichten?

Wenzel: Ich glaube, dass Gelegenheiten, in denen sich Gleichgesinnte zu einem Fest an einem schönen Ort treffen, Kräfte zu entfesseln vermögen, die diese destruktiven Energien in ihrer Macht beschneiden können. Ich singe in Kamp, so heißt dieser Ort, von nachmittags um fünf bis nachts um halb drei, zum Schluss tanzen alle. Dabei entsteht in so einer Nacht auch immer ein Stück Utopie, eine Ahnung von einer anderen Art, miteinander zu leben.

Hat das auch etwas mit dem Wasser zu tun, das dort strömt?

Wenzel: In tiefster Seele bin ich Matrose. Da ist diese große Sehnsucht. Als Kinder waren wir in den Ferien oft sechs Wochen lang auf dem Darß, an der Ostsee. Das Wasser hat mir dieses Gefühl von Weite gegeben, gegen die Enge des Landes.

Als Musiker haben Sie sich gegen die Enge der DDR gewehrt. Waren Sie immer schon ein widerständiger Mensch?

Wenzel: Ein gewisser Eigensinn war mir wohl immer