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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
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Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Patsch und wisch

Es ist immer dasselbe Bild: Kinder, die bewegungslos auf der Couch sitzen, in ein Buch vertieft. Die heimlich, wenn die Eltern sie am Computer wähnen, mit dem Füller einen Brief an die beste Freundin schreiben. Die Bildschirmkompetenz der Kinder ist ein großes Konfliktthema in vielen Familien. »Ich schaffe es nicht einmal, ihn eine halbe Stunde täglich ans I-Pad zu bekommen«, gesteht eine Mutter, die lieber anonym bleiben will. Stattdessen finde sie immer wieder stark zerlesene Bücher der verstorbenen britischen Autorin Enid Blyton im Ranzen ihres Sohnes. Der Junge habe es sogar geschafft, die Jugendschutzbestimmungen zu umgehen und sich mit ihrer gefälschten Unterschrift einen Ausweis der Stadtbibliothek zu besorgen. Sie zeigt ein Mathematikheft des Kindes: »Schauen Sie hier, dieses handschriftliche Gekrakel! Kein Wunder, dass wir die Kinder nicht für moderne Technik begeistern können, wenn die Schulen so mittelalterlich arbeiten.« An Weihnachten habe die Oma Stunden damit verbracht, dem Enkel zu erklären, dass seine angefangene E-Mail keineswegs »plötzlich weg«, sondern im Entwürfe-Ordner gespeichert sei: »Wie soll Deutschland da zukunftsfähig bleiben?«

Ist das bei Ihnen anders? Komisch, bei uns auch. Meine Kinder konnten mit neun Monaten ein Tablet bedienen. Das fanden wir süß. Patsch und wisch, neues Bild. Kind juchzte. Vielleicht war das falsch. Ganz bestimmt war es ernüchternd. Die schöne Holzeisenbahn, Michel aus Lönneberga, die herrlichen Rollschuhe – alles nur zweite Wahl, wenn irgendwo ein leuchtendes Rechteck lockte. Dieses Rechteck leuchtet bei uns jetzt nur noch dreißig Minuten am Wochenende. Und bleibt ansonsten schwarz. Die Große lernt gerade Schreibschrift in der Schule. Und liebt es. Es ist eine ganz normale Stadtteil-Grundschule. Für Computer ist kein Geld da. Was mich gar nicht so traurig stimmt.

Anders als Dorothee Bär, die im Auftrag der Bundesregierung die Digitalisierung der Schulen vorantreiben soll: »Schüler brauchen heute vor allem drei Dinge: ein Tablet, ihre Sportsachen und das Schulbrot.« Auch Kleinkinder könnten Tablet-Computer ohne Bedenken nutzen, meint die Staatsministerin: »Es gibt tolle Lern-Apps mit schönen Illustrationen oder Tierstimmen.«

9000 Kilometer weiter westlich, an der »Waldorf School of the Peninsula« in Los Altos, Kalifornien, sind Computer dagegen verboten. Mitten im Silicon Valley schreiben die Kinder mit d

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