Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

VORGESPRÄCH: Kann das Theater Sinn vermitteln?

von Lorenz Klumpp vom 12.02.2016
Fragen an die Dramaturgin Carola Hannusch zum Auftakt der vierten Essener Autorentage »Stück auf!«

Publik-Forum: Frau Hannusch, die Essener Autorentage zeigen diesmal Stücke zum Thema »Einer muss dran glauben«. Wie kamen Sie darauf?

Carola Hannusch: Glaube in Form von Religion steht heute nicht im Mittelpunkt – dafür verehren wir andere Götter, beispielsweise den Konsum. Dennoch spielt die Suche nach dem Sinn in unserer säkularisierten Welt eine Rolle. Denn ohne etwas, das unserem Sein einen übergeordneten Sinn gibt, stehen wir ziemlich verlassen da. Zudem sehen wir aktuell, dass in anderen Regionen der Welt der Glaube in Form von Religion eine viel wichtigere Rolle spielt ...

Die Autorentage »Stück auf!« am Schauspiel Essen sind ein Wettbewerb für Dramatiker. Wie läuft der ab?

Hannusch: Wir haben das Thema ausgeschrieben, 128 Texte sind dazu eingegangen. Unsere Jury hat acht davon anonym ausgewählt. Die Dramatiker bekommen hier nun die Gelegenheit, ihre Stücke vorzustellen. Das ist ein Marathon: Die Zuschauer sehen acht szenische Lesungen von je einer halben Stunde. Bei der Vielfalt wird garantiert keinem langweilig (lacht). Die Autoren sind alle anwesend, sodass man mit ihnen ins Gespräch kommen kann. Das Gewinner-Stück wird dann in der kommenden Spielzeit am Schauspiel Essen uraufgeführt.

Inwiefern muss immer einer dran glauben?

Hannusch: Der Titel lässt natürlich Raum für Interpretation. Aber ja, im Extremfall geht es so weit, dass auch Menschen sterben. Es wird deutlich, dass der sinnstiftende Faktor Religion offenbar oft dafür herhalten muss, Verfolgung, Ausgrenzung und Mord zu rechtfertigen.

In der Ausschreibung zitieren Sie den Philosophen Byung-Chul Han, der von einem »modernen Glaubensverlust« in der Gesellschaft spricht. Kann denn Theater Antworten für Sinnsucher geben?

Hannusch: Natürlich hat auch das Theater keine Patentlösung für komplexe Probleme wie den Terrorismus. Es kann aber auf jeden Fall die Sensibilität der Zuschauer für politische und religiöse Themen schärfen. Viele Schauspielhäuser bieten jetzt vermehrt Veranstaltungen und Diskussionen an. Und ich habe den Eindruck, dass die Leute das annehmen und das Theater als Ort betrachten, an dem ihre Hilflosigkeit formuliert werden kann.

Zurück zu Ihr

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen