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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

»Jeder kann mitmachen«

Der Student Manuel Wiemann rettet in Bayreuth Lebensmittel

Es war schon dunkel. Eine Freundin und ich schlichen auf den Hof eines Supermarktes. Die Mülltonnen waren unser Ziel. Leise klappten wir die Deckel auf. In den Mülltonnen lagen Weintrauben, Äpfel, Tomaten, sogar Käse und Joghurt. Das Obst war etwas angeschlagen, aber alles essbar. Wir nahmen mit, was wir tragen konnten. Was für ein Mangel an Wertschätzung für die Lebensmittel und für die Menschen, die sie herstellen!

Auf einem Seminar hörte ich dann von der Food sharing-Bewegung. Sie klauben das Essen nicht aus dem Müll, wie Räuber, sondern holen es legal ab. Das wollte ich auch: Lebensmittel retten, hier in Bayreuth. Zusammen mit der Freundin postete ich auf Facebook einen Aufruf. Es kamen sechs Leute.

Wir fragten bei den Supermärkten, ob sie uns ihre Lebensmittel, die sie wegschmeißen würden, nicht geben könnten. Wir würden sie abholen und weiterverteilen. Ein einziger Biosupermarkt sagte zu. Das war der rettende Anfang. Sofort war die Energie da, und die Helfer hatten etwas zu tun. Wir wurden mehr und mehr. Heute sind wir über 2800 Leute in der Facebook-Gruppe und 130 aktive Foodsaver, so nennen wir die Leute, die die Lebensmittel abholen. Zehn Läden sind mittlerweile dabei. Das sind Bioläden, Restaurants, ein Feinkostgeschäft. Die Foodsaver erscheinen zum vereinbarten Zeitpunkt beim Laden. Pünktlichkeit ist wichtig, denn die Geschäfte müssen sich auf uns verlassen können. Die Abholer zeigen ihre Foodsaver-Ausweise und packen das Essen ein: Obst und Gemüse mit beschädigten Stellen, Brot, Käse oder abgelaufener Jogurt, Nudeln oder Mehl mit beschädigten Verpackungen. Die Foodsaver nehmen das Essen mit zu sich