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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Nachgefragt: Ist Schluss mit der Verfolgung der Christen?

von Michael Schrom vom 12.02.2016
Muslimische Gelehrte aus 120 Ländern sprechen sich für Religionsfreiheit aus. Was bringt das, Herr Kuschel?

Publik-Forum: Wie bewerten Sie die aktuelle Erklärung von Marrakesch, die unter der Führung des marokkanischen Königs entstand?

Karl-Josef Kuschel: Sie ist ein überfälliges Dokument angesichts der Gräueltaten, die den Islam schänden und ihm in der Weltöffentlichkeit schweren Schaden zufügen. Die Unterzeichner haben verstanden, dass man im Namen der großen ethischen und rechtlichen Tradition des Islams diesem Missbrauch entgegentreten muss, wenn die islamischen Gesellschaften nicht noch mehr zerstört werden sollen.

In dem Dokument ist die Rede von einem Vertrag, den Mohammed mit der Bevölkerung von Medina schloss. Was hat es damit auf sich?

Kuschel: Mohammed wurde 622 als Schlichter von Stammesrivalitäten nach Medina gerufen. Politisch klug ließ er einen Vertrag ausarbeiten, der das Zusammenleben der Stämme verbindlich regelt. Die Charta von Medina hat eine wichtige Funktion für den Zusammenhalt der Stämme als einer einzigen Gemeinschaft (»umma«) im Zeichen des neuen Glaubens. Wichtig auch: Die drei jüdischen Stämme von Medina werden mit einbezogen. Mohammed hat Juden in ihrer Religionsausübung respektiert. Das soll wohl das Signal für heute sein: Einheit der Umma und Schutz von Andersglaubenden in muslimischen Mehrheitsgesellschaften.

Kann diese »Charta« Basis für ein modernes Verständnis von Religionsfreiheit sein?

Kuschel: Kaum. Ein modernes Verständnis beinhaltet eine dreifache Freiheit: die Freiheit, eine Religion auszuüben, sie aufzugeben oder zu wechseln, und die Freiheit von Religion. In der Charta von Medina ist bestenfalls von der ersten Freiheit die Rede: Duldung von Andersglaubenden. Deshalb ist es bemerkenswert, dass in der Marrakesch-Erklärung auch auf die Menschenrechtserklärung der UNO Bezug genommen wird, die ja das moderne Religionsfreiheitsverständnis voraussetzt. Ob die allerdings »in Harmonie mit der Charta von Medina« ist, ist doch sehr fraglich. Entscheidend aber ist die Aussage, dass die Zusammenarbeit religiöser Gruppen »über wechselseitige Toleranz« hinausgehen muss, indem man den »Schutz für die Rechte und Freiheiten aller religiösen Gruppen in zivilisierter Form« möglich macht. Die Aussage ist gegen den IS gerichtet, der Christen und andere Minoritäten verfolgt und töte

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