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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Chancen bedenken

Wie man soziale Gerechtigkeit anders verstehen kann

Martha Nussbaum
Fähigkeiten schaffen
Neue Wege zur Verbesserung menschlicher Lebensqualität. Alber. 218 Seiten. 19,99 €

Sechzig Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Sie suchen für sich und ihre Kinder bessere Lebensqualität, jenseits von Krieg, Gewalt und Not. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden es vermutlich noch mehr werden. Es sei denn, die Staaten überlegen sich gemeinsam neue Wege zur Verbesserung der Lebensqualität und verwirklichen diese solidarisch und konsequent, statt nur – wie üblich – auf Repression zu setzen.

Ein Weg, wie dies gelingen könnte, zeigt die weltweit renommierte Philosophin Martha Nussbaum in ihrem neuen Buch »Fähigkeiten schaffen« auf. Nussbaum, die in Chicago Rechtswissenschaften und Ethik lehrt, legt darin ein »Gegenmodell« zu einem Gemeinwesen vor, dessen höchstes Ziel darin besteht, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu steigern. Dieser BIP-Ansatz interessiert sich weder für die wachsende Ungleichheit in den Ländern noch für die Situation der Armen, sondern nur für die Maximierung des durchschnittlichen Prokopfeinkommens. Das auf ihm basierende neoliberale Wachstumsmodell geht zulasten von Mensch und Natur und trägt wesentlich zu den »Fluchtgründen« bei.

Dieser zerstörerischen Logik stellt Martha Nussbaum zusammen mit anderen ihren »Fähigkeitenansatz« entgegen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der indische Ökonom, Philosoph und Nobelpreisträger Amartya Sen, der die »menschliche Entwicklung« in den Ländern zum Maßstab der Bewertung macht. In seinem Buch »Ökonomie für den Menschen« ist der »Fähigkeitsansatz« ein Schlüsselbegriff. Martha Nussbaum hat ihn aufgegriffen und weiter entfaltet