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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Chancen bedenken

von Norbert Copray vom 12.02.2016
Wie man soziale Gerechtigkeit anders verstehen kann

Martha Nussbaum
Fähigkeiten schaffen
Neue Wege zur Verbesserung menschlicher Lebensqualität. Alber. 218 Seiten. 19,99 €

Sechzig Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Sie suchen für sich und ihre Kinder bessere Lebensqualität, jenseits von Krieg, Gewalt und Not. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden es vermutlich noch mehr werden. Es sei denn, die Staaten überlegen sich gemeinsam neue Wege zur Verbesserung der Lebensqualität und verwirklichen diese solidarisch und konsequent, statt nur – wie üblich – auf Repression zu setzen.

Ein Weg, wie dies gelingen könnte, zeigt die weltweit renommierte Philosophin Martha Nussbaum in ihrem neuen Buch »Fähigkeiten schaffen« auf. Nussbaum, die in Chicago Rechtswissenschaften und Ethik lehrt, legt darin ein »Gegenmodell« zu einem Gemeinwesen vor, dessen höchstes Ziel darin besteht, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu steigern. Dieser BIP-Ansatz interessiert sich weder für die wachsende Ungleichheit in den Ländern noch für die Situation der Armen, sondern nur für die Maximierung des durchschnittlichen Prokopfeinkommens. Das auf ihm basierende neoliberale Wachstumsmodell geht zulasten von Mensch und Natur und trägt wesentlich zu den »Fluchtgründen« bei.

Dieser zerstörerischen Logik stellt Martha Nussbaum zusammen mit anderen ihren »Fähigkeitenansatz« entgegen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der indische Ökonom, Philosoph und Nobelpreisträger Amartya Sen, der die »menschliche Entwicklung« in den Ländern zum Maßstab der Bewertung macht. In seinem Buch »Ökonomie für den Menschen« ist der »Fähigkeitsansatz« ein Schlüsselbegriff. Martha Nussbaum hat ihn aufgegriffen und weiter entfaltet, schon in ihrem früheren Werk »Die Grenzen der Gerechtigkeit« (Publik- Forum 4/2014, Seite 56).

Es gilt zu beurteilen, wie es in einem Land um die Entfaltungsmöglichkeiten des Menschen steht. Erst wird nach den Chancen geschaut, »die einer jeden Person offenstehen«. Dann wird gefragt, was in der Praxis geschieht, dass diese Chancen auch ergriffen werden können. Eine Liste von zehn maßgeblichen Fähigkeiten bettet Nussbaum ein in einen Vergleich mit anderen Ethik-Ansätzen, wobei die Menschenrechtsansätze am stärksten damit verwandt sind. Sie arbeitet »grundlegende Ansprüche« heraus, entwirft die tragende »kulturelle Vielfalt«, analysiert di

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