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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Schluss mit den Heimen

von Taubitz vom 14.02.2014
Warum chronisch Kranke und Behinderte viel besser zu Hause als in Anstalten leben – und bürgerschaftliches Engagement Menschen glücklich macht. Fragen an den Psychiatrie-Reformer Klaus Dörner

Publik-Forum: Professor Dörner, Sie wollen psychisch Schwerkranke, Behinderte, Alte und sterbende Menschen aus den Heimen herausholen. Warum leben immer noch so viele in Anstalten?

Klaus Dörner: Viele glauben, es wäre ein Fortschritt, nicht mehr anderen Menschen helfen zu müssen – dafür gibt es ja Profis, die können es sowieso besser als wir Laien. Kein Mensch weiß, ob diese Gedankenwelt sich in der Bürgerschaft selbst ausgebildet hat oder inwieweit das den Leuten eingeredet wurde von den entsprechenden Berufsverbänden. Spannend finde ich, dass seit 1980 die Bereitschaft der Bürger wieder steigt, sich um andere zu kümmern.

Haben Sie etwas gegen die professionelle Versorgung von Hilfsbedürftigen?

Dörner: Ich habe etwas dagegen, das Gesundheitssystem wie eine Fabrik zu betreiben. Im 19. Jahrhundert begann man, hilfebedürftige Minderheiten zu sortieren und in möglichst großen Institutionen unterzubringen. Das war fabrikanalog gedacht – man wollte Gesundheit produzieren. Professionalisiert wurde die Pflege, weil man es für sehr viel effizienter hielt, wenn man die Betreuer speziell ausbildet und ihnen Geld bezahlt. Diese Megatrends der Industriegesellschaft hinterlassen bis heute ihre Spuren. Gewohnte Pfade verlassen wir sehr ungern.

Aber wenn Schwerkranke und chronisch Kranke daheim statt im Heim, also nicht professionell gepflegt werden, ist das nicht zu ihrem Schaden?

Dörner: Die sind noch nie gut versorgt worden! Als das Helfen professionalisiert wurde, ist man dem medizinischen Denkmodell gefolgt. Das hat eine Vorliebe für die akut kranken, also heilbaren Menschen. Und eine Verachtung für schwer und chronisch Kranke, sprich die unheilbaren Menschen. Die wurden ausgegrenzt. Denn sie konfrontieren uns mit der Begrenztheit unseres Helfens.

Sind Sie dafür, jeden Hilfsbedürftigen ambulant, also in seinen eigenen vier Wänden, zu versorgen? Oder gibt es Grenzen? Für manche Menschen mag es doch besser sein, in einer Einrichtung zu leben.

Dörner: Ich habe erlebt, wie Hunderte Langzeitpatienten der Psychiatrie in ein eigenes Leben zurückfanden dank ambulanter Begleitung und Nachbarschaftshilfe. Wir haben in Gütersloh den Beweis geliefert, dass kein

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