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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Aufgefallen: Maklerin für den Frieden

von Thomas Seiterich vom 14.02.2014
Die angesehene Geschäftsfrau Catherine Samba-Panza scheint die letzte Hoffnung für die kriegszerstörte Zentralafrikanische Republik

Catherine Samba-Panza bekennt sich als Christin. Doch sie wird von den Konfliktparteien als neutral wahrgenommen. Deshalb wurde die Unparteiische Ende Januar zur Interimspräsidentin für ein Jahr in der von Krieg und Plünderung zerstörten Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gewählt. Die mutige 59-Jährige ist gleichsam die letzte Hoffnung ihrer unglücklichen Nation.

Zehn Monate zuvor hatten die Seleka-Miliz die Hauptstadt Bangui blutig erobert und erstmals seit der Unabhängigkeit 1960 einen Muslim zum Staatspräsidenten gemacht. Da die Seleka ihre Totschläger aus der kleinen, 15 Prozent der Bevölkerung umfassenden islamischen Minderheit anheuerte, begann der Krieg um die Goldminen und Diamanten-Profite des Landes zu einem gefährlichen Religionskrieg auszuarten. Denn die große Mehrheit der katholischen und evangelischen Christen bot die sogenannten Anti-Balaka-Einheiten auf.

Diese beantworteten Mord mit Mord und Terror mit Gegenterror – was die Franzosen auf den Plan rief. Frankreich schickte zum Zweck einer »humanitären Aktion« Truppen aus Mali. Die errichteten am Flughafen von Bangui ein Lager für über 700 000 Kriegsflüchtlinge und versuchen nun, das willkürliche Massenmorden zu stoppen.

Welche Chance hat Präsidentin Samba-Panza? Die afrikanisch-frauenbewegte Mutter von drei Kindern gilt als unbestechlich. Sie kämpft seit Jahren gegen die grassierende Korrup tion, mit der sie als internationale Versicherungsmaklerin stets konfrontiert war. Gleichzeitig hat die Unternehmerin genug Geld verdient, um selbst nicht bestechlich sein zu müssen. Die elegante Frau, die farbkräftige Kostüme schätzt, kennt zudem Afrika und die westliche Welt. In Frankreich hat Catherine Samba-Panza Jura studiert.

Kurz regierte die engagierte Unternehmerin die chaotische Hauptstadt Bangui. In der verlotterten Metropole am Ufer des Kongo-Nebenflusses Ubangi funktioniert die Abwasserentsorgung nicht. Es gibt keine Feuerwehr, keine zuverlässige Polizei. Beamte und städtische Angestellte erhalten keinen Lohn. Die Stadt wäre eine Hölle auf Erden, gäbe es die Selbsthilfe der konfessionell homogenen Nachbarschaften und Pfarreien nicht.

Was kann Catherine Samba-Panza als Übergangspräsidentin tun? Ihre Aufgabe besteht darin, faire Neuwahlen zu organisieren. Sie so

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