Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Gemeinsam gegen die Machthaber

von Thomas Seiterich vom 14.02.2014
Bisher haben sie sich vor allem bekämpft. Doch im Protest wächst unter den regierungs kritischen Kirchen in der Ukraine eine neue Ökumene

Zwei »Gebetszelte« stehen auf dem Maidan im Herzen von Kiew. Seit Wochen. Dort, wo in der bitteren Kälte dieses gefährlichen Revolutionswinters Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer Tag und Nacht demonstrieren: für eine saubere Demokratie, einen überprüfbaren Rechtsstaat, faire Wahlen und die Loslösung ihres Landes von Putins Russland.

Beide Gebetszelte sind ökumenisch. In einem der Zelte arbeiten unierte sowie römisch-katholische und ukrainisch-orthodoxe Christen zusammen. Am Eingang prangt das östliche Kreuz mit dem doppelten Querbalken. Das andere Zelt, das von den Demonstrierenden ähnlich intensiv besucht wird, wird von evangelischen Christen betreut. Dort werden die Menschen willkommen geheißen von einer freiwilligen Equipe aus den vielen kleinen protestantischen Kirchen, einschließlich der Baptisten, Pfingstler und deutschsprachigen Lutheraner.

»Die Zelte auf dem Maidan sind super«, sagt Ralf Haska begeistert. Der 47-jährige ostdeutsche Theologe arbeitet als Pastor in der Lutherischen Gemeinde von Kiew. »In den Zelten arbeiten bewährte Menschen, erkennbar an der Weste mit dem Aufdruck ›Wir beten für die Ukraine‹.« Die Gebetszelte böten den gestressten Demonstranten ein wenig Aufatmen, Besinnung, Ausruhen und Aufwärmen.

»Noch vor einem Jahr wäre solch eine enge Zusammenarbeit der verschiedenen Kirchen unvorstellbar gewesen«, sagt Haska. »Früher war die Ökumene in der Ukraine sehr kompliziert. Denn das Land ist nicht nur sprachlich, historisch und nach politischen Präferenzen in Ost und West gespalten. Auch die mit Moskau verbundenen östlichen und die nach Rom ausgerichteten westlichen Kirchen wirkten als mächtige Kräfte der Trennung, und das seit Jahrhunderten: Orthodoxe gegen Katholiken und mit Rom Unierte.« Abgrundtief gespalten und einander eher Feind als Freund – dies kennzeichnete die Lage der Kirchen.

Doch heute wachse unter dem Druck des Regimes, seiner Miliz, Polizei und dem Terror der Berut-Spezialeinsatzkräfte eine neue, nie dagewesene Ökumene, die von den Aufbegehrenden getragen werde.

Es ist ein Aufstand der Jungen, auf der Straße wie auch in den Kirchen. Viele Verantwortliche in der knapp sechs Millionen Gläubige zählenden unierten Kirche sind in den Vierzigern. Das gilt auch für die kleine Kirche des westlich-römischen Ritus, für die viele Mi

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen