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Publik-Forum, Heft 2/2020
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Wo steht Attac heute?

von Viola Rüdele vom 31.01.2020
Nachgefragt: Seit zwanzig Jahren warnt Attac vor den Schattenseiten der Globalisierung. Was hat das bewirkt? Fragen an Thomas Eberhardt-Köster

Publik-Forum: Herr Eberhardt-Köster, von Anfang an stand Attac für die Einführung der Finanztransaktionssteuer. Die gibt es bis heute nicht. Was haben Sie also erreicht?

Thomas Eberhardt-Köster: Am Anfang wurden wir für die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer noch belächelt. Inzwischen ist sie gesellschaftlich mehrheitsfähig. Ähnliches ist uns auch in anderen Bereichen gelungen: Da hat sich gesellschaftlich viel verändert. Steuerflucht wird heute stärker thematisiert und auch das gesamte Wirtschaftssystem hat an Legitimität verloren. Politisch haben wir erreicht, dass zum Beispiel durch unsere Kampagnen der Börsengang der Bahn in Deutschland und Freihandelsabkommen verhindert wurden.

Wurde TTIP nicht vor allem von US-Präsident Donald Trump gestoppt?

Eberhardt-Köster: Solche Prozesse haben immer mehrere Gründe. Wir denken schon, dass unsere Proteste in Europa dazu beigetragen haben, dass die Abschlüsse solcher Handelsverträge schwieriger geworden sind.

Inzwischen ist die Bewegung weniger durch ihre Aktionen und Forderungen präsent als wegen der Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Ist Attac zu wenig Bewegung und zu sehr Institution geworden?

Eberhardt-Köster: Nach dem Start verändern sich Bewegungen nun einmal. Dazu kommt, dass sich die Bewegungslandschaft heute ausdifferenziert und verändert hat. Neue Themen wie die Klimagerechtigkeit kommen hinzu, da ist Attac nur eine Stimme von vielen.

Aktuell dominiert die Erderhitzung die öffentliche Debatte. Junge Menschen gehen lieber zu Extinction Rebellion oder Fridays for Future. Und die meisten der weniger werdenden Attac-Mitglieder sind männlich und über fünfzig. Wofür braucht es Attac noch?

Eberhardt-Köster: Attac verliert nicht an Mitgliedern. Zudem ist es nicht ungewöhnlich, dass in einer Bewegung die Aktiven der Anfangsjahre älter werden. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer wieder neu erfinden. Viele unserer Themen sind wieder hoch aktuell, wie die Wohnungsfrage. Da kämpfen wir schon lange gegen Privatisierung von öffentlichen Wohnungen. Das Besondere an Attac bleibt aber der globale Blick. Wir sagen seit zwanzig Jahren, dass Globalisierung nicht die richtige Antwort auf unser

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